Scherz, Satire und tiefere Deutung
Darauf muss man erst mal kommen. Juno, die große Abwesende, die Unsichtbare, mischt von Anfang an mit. Normalerweise regt sich die hohe Dame erst im letzten Aufzug coram publico über die erotischen Eskapaden ihres Göttergatten Jupiter auf. Bis dahin schmollt sie stumm im Off – so steht’s im «Platée»-Textbuch von Adrien-Joseph Le Valois d’Orville und in den Noten Jean-Philippe Rameaus.
Das arglistig-köstliche Spiel mit der mannstollen Sumpfnymphe, die Jupiter zum Schein anbaggert, um die Eifersucht seiner Angetrauten der Lächerlichkeit auszuliefern, findet weitgehend hinter deren Rücken statt. Über zwei turbulente Akte hinweg wird die Intrige eingefädelt, ohne dass man die frustrierte Göttin zu Gesicht bekäme. Eine Randfigur mit drei kurzen Sopran-Auftritten kurz vor Ultimo? «Einspruch», protestiert Regisseurin Mariame Clément: «Vielleicht ist Juno ja der Dreh- und Angelpunkt des Stücks. Und Platée eine Art Alter Ego, ein Spiegel, in dem sich verschiedene Frauenbilder, -fantasien und -rollen spiegeln. Vielleicht braucht Juno diesen Spiegel, um sich und ihren eigenen Ort im Geflecht dieser (männlichen) Projektionen zu erkennen.»
Also erscheint Madame Junon schon auf der Bühne der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es gehört Mut dazu, eine Opernproduktion schon nach der ersten Bühnenprobe abzublasen, weil sich abzeichnet, dass das Konzept nicht trägt und überladen ist. So geschehen im letzten Herbst in Duisburg. Intendant Christoph Meyer hatte einen Stopp verordnet, weil David Hermanns Arbeit an Verdis «Rigoletto» zu viele offene Baustellen enthielt. Zu einer solchen Absage...
Flüchten und ankommen. In dieser Spannung ist wohl auch der «Olympier» Richard Strauss zu sehen, dessen – von seinen literarischen Mitarbeitern wie Hugo von Hofmannsthal oder Joseph Gregor heftig geförderte – Griechenland-Manie vielfältig motiviert gewesen sein muss. Als Jugenderlebnis ausschlaggebend sicherlich Nietzsches flammende Altphilologie, dabei aber auch...
Wie kann man den Venusberg heute noch auf die Bühne bringen? Ein Aufführungs-
vergleich von Wagners «Tannhäuser» in Mailand und Oslo eröffnet unseren Focus-Teil. Wagner auch an Stuttgarts Staatsoper, wo Calixto Bieito und Manfred Honeck sich mit «Parsifal» auseinandersetzen. Zeitgleich setzte Frankfurt auf «Daphne»: Die selten gespielte späte Oper von Richard...
