Schau-Effekte und tiefere Bedeutung
«Andrea Chénier», Umberto Giordanos Revolutionsreißer im Verismo-Stil, enthält dramaturgisch keine Elemente, die ihn für eine Aufführung auf einer Seebühne prädestinieren. Desto bemerkenswerter ist das Gelingen der letztjährigen Bregenzer Produktion von Keith Warner (Regie) und David Fielding (Bühne), die ein Massenspektakel von hohem Schauwert und zugleich einigem Tiefgang geschaffen haben, das in der Aufführungsgeschichte des Werkes einen herausragenden Platz behauptet.
Denn selten wurde diese Oper, die man zumal in Deutschland vom Start weg mit einigem Naserümpfen zur Kenntnis genommen hat, in ihrer szenischen wie musikalischen Substanz so ernst genommen. Die mehrstöckige Szenerie wird bestimmt von einer riesigen dreidimensionalen Skulptur nach Jacques-Louis Davids Gemälde des ermordeten Revolutionsführers Marat. Auf dieser simultanen Bühne läuft ein nur gelegentlich zur Ruhe kommender, beinahe filmgemäßer grellbunter Bilderreigen ab, an dem neben Chor und Solisten auch zahlreiche Statisten und Artisten teilhaben. Bewegte Tableaus lassen die Zeit der Revolution lebendig werden.
Den starken Bildern kann man sich nicht entziehen, im Heimkino wird man dabei noch mehr Details ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Bücher, Seite 24
von Ekkehard Pluta
«Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende», lautet der 13. Vers des 22. Kapitels der Offenbarung des Johannes. Auf ihn bezieht sich der Titel «… 22,13 …», den der 1964 in Paris geborene Mark Andre seiner 2004 entstandenen «Musiktheater-Passion» gegeben hat. Andres Apokalypse ist eine leise. Eine extrem leise sogar – mit vielen...
Die Rezeptionsgeschichte ist eine eigenwillige Diva. Henri Sauguet, 1901 als Henri-Pierre Poupard geboren, gehörte zu den Musikern, die nach dem Ersten Weltkrieg gegen die Generation der Väter rebellierten. Unter dem Einfluss der Groupe des Six – mit Darius Milhaud verband ihn früh eine enge Freundschaft – gründete er 1920 in seiner Heimatstadt Bordeaux eine eigene...
Verdis «Aida», so scheint es, ist ausgereizt, eine neue Sicht nicht zu erwarten. Auch Yona Kim bedient sich in Osnabrück der Bilder, wie sie sich seit Hans Neuenfels‘ legendärer Frankfurter Inszenierung durchgesetzt haben. Der Triumphmarsch ist – wie von Verdi intendiert – ein Antitriumphmarsch, der senile König eine Marionette in Paradeuniform, Geheimdienstchef...
