Schattenmusik
Im Anfang war das Wort: Weil Peter Seiffert erkrankt war, musste ein Einspringer für die männliche Hauptpartie in Richard Wagners «Handlung in drei Aufzügen» annonciert werden. Heiko Börner übernahm, war aber – womöglich durch den Nimbus des berühmten Kollegen eingeschüchtert oder mit der Inszenierung noch nicht vertraut – allzu konzentriert auf das Setzen und Formen der Töne bedacht, was seinen Tenor bei gutem Sitz, angenehmem Timbre und guter Kondition etwas unfrei machte.
Karl-Heinz Lehner sang in Köln schon einen nahezu idealen «Tannhäuser»-Landgrafen, für König Marke hätte man sich mehr innere Teilnahme und Bass-Autorität gewünscht. Leider trat auch der Kölner Publikumsliebling Samuel Youn als Kurwenal nicht in Bestform auf, so dass für die stimmlichen Glanzpunkte die Damen sorgten: Claudia Mahnke als hochpräsente, kraftvoll strahlende und registerfeste Brangäne und Ingela Brimberg mit ihrer ersten Isolde – hochklassig, mit «schwedisch» tragfähigem Volumen, leichtem Ansatz, vielen Farben, aber in der Höhe und auf die Dauer auch mit merklichem Tremolo.
Brillant das Vorspiel: Überaus fein, schlank und reich abgeschmeckt klingt das Gürzenich-Orchester, so aufregend sind die ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Michael Struck-Schloen
Ihre Eltern sind Opernsänger. Stand Ihr Berufswunsch damit früh fest?
Im Gegenteil, ich wollte lieber Diplomat oder Psychologe werden. Auf keinen Fall Opernsänger. Weil ich wusste, wie riskant das ist. Mit 17 habe ich dann doch meine Stimme ausprobiert. Und war nicht sonderlich überzeugt. Ich merkte aber, dass sie auf andere stark wirkte.
Beruht Ihre Technik auf...
Bibelfeste Erzmänner verweisen gerne auf Paulus und dessen Mahnung an das weibliche Geschlecht (im Ersten Korintherbrief, Kapitel 14, Verse 34 und 35). Verkürzt und in heutigem Macho-Jargon würde diese etwa lauten, die Frau solle die Schnauze halten und tun, was der Mann ihr sagt. Eurydice pfeift darauf. Längst hat sie genug vom Gefiedel ihres Ehegespons, also...
Im Programmheft zur Aufführung von Dvořáks «Rusalka» am Theater an der Wien findet sich «Undine geht», Ingeborg Bachmanns empfindsam bekümmerte und doch so kämpferische Erzählung von der Not eines unbehausten Geschöpfs. Worte als Ausdruck tiefer Traurigkeit: «Ich habe keine Kinder von euch, weil ich keine Fragen gekannt habe, keine Forderung, keine Vorsicht,...
