Rückkehr und Himmelfahrt
«Ein Werk ohne Damen», sagt die Dame. Doch bei «Billy Budd», der Männeroper, drehte sich alles um eine Frau. Und um die Frage: Stehen die Hamburger nach dem Reinfall der «Frau ohne Schatten» zu ihrer Pult-Primadonna Simone Young – oder nicht?!
Nun, sie blieben sitzen. Am Ende sogar milder Wind wiedererwachender Zuneigung. Wie viel dunkle Farben, Wärme und Weite Simone Young ins Orchester gezaubert hat, ist erstaunlich. Auch verbindet sie lyrische Fäden immer wieder zu symphonisch raumgreifenden Bögen.
Die motivische Feinarbeit als Mischung aus solistischer Spontaneität und Entschiedenheit aber fehlt. Brittens spröde Tonalität bräuchte mehr Zug, mehr Klangdramaturgie, um auf Dauer überzeugen zu können. So stellt sich am Ende eine gewisse Fadheit ein.
Ist nicht «Billy Budd» etwa so sensationell wie eine Piratenpistole? Von den Seemännern bewundert, vom bösen Schiffsprofos gehasst, zeigt «Beau Billy» das Gute in seiner Chancenlosigkeit. Die latente Homosexualität der Melville-Adaption (von E. M. Forster und Eric John Crozier) rückt das Stück in die Nähe zur Trivialität. Auch wenn die schwulen Untertöne in der Inszenierung von Simon Phillips wohltuend gemildert sind.
Durchs hängende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es gibt zwei Möglichkeiten, sich von dem prächtigen und skurrilen Opernvogel in Valencia ein Bild zu machen. Eine Möglichkeit ist Ebene Minus Zwei. Das ist die Ebene des ehemaligen Flussbettes, in das Santiago Calatravas «Palau de les Arts» eingepasst ist. Sie liegt unterhalb des Straßenniveaus und wird von künstlichen Seen bestimmt, die die Bauten der...
Engel, heißt es, beneideten uns Menschen, weil wir über einen Körper verfügen. Wenn das stimmt, können sie dem Doppelabend am Royal Opera House nur ihren Segen erteilt haben. In Ravels «L’Heure espagnole» wie in Puccinis «Gianni Schicchi» dreht sich alles ums irdische Begehren – auf der Folie von Sex (Ravel) und Geld (Puccini). Dass Sex und Geld als anrüchig...
Die Oper birgt mehr Unwägbarkeiten für einen Betrieb als jede andere Kunstform. Die Wahl des Generalmusikdirektors oder der Generalmusikdirektorin gehört dabei gewiss zu den am meisten ins Gewicht fallenden Risiken. Das gilt für jedes Haus. Auch Opera Australia weiß davon ein Lied zu singen. Vor vier Jahren gab man voreilig Simone Young den Laufpass und bestimmte...
