Rolle des Lebens

Zürich, Halévy: La Juive

Opernwelt - Logo

Die Wiederkehr von Jacques Fromental Halévys «La Juive» auf die internationale Opernszene ist untrennbar mit dem Namen Neil Shicoff verbunden. Der amerika­nische Tenor hat den Eléazar erstmals 1999 in Wien gesungen und die Rolle des zwischen der Liebe zu seiner Ziehtochter Rachel und dem Hass auf die Christen zerrissenen Juden seither an vielen großen Opernbühnen der Welt übernommen, zuletzt in Chicago und Paris.

Dass ihn jetzt auch das Opernhaus Zürich in der Rolle seines Lebens verpflichten konnte, war gewiss ein Glücksfall für die Neuinszenierung dieser in Zürich zuletzt 1925/26 gespielten französischen Grand Opéra.
Shicoffs Spiel ist von brennender Intensität. Hinter den von Fanatismus, aber auch von Verbitterung gezeichneten Zügen bricht in seinem mimisch-gestischen Porträt des alten Mannes immer wieder die Liebe zu Rachel durch, die er einst vor dem Flammentod bewahrt hat und als seine eigene Tochter im jüdischen Glauben aufzog. Mit dem unauslöschlichen Hass auf die Christen vermittelt Shicoff zugleich dessen Ursache, die aggressive Gewalt der Judenpogrome, die Halévy und sein Librettist Eugène Scribe zu eindrucksvollen Massenszenen geformt haben. Der Preis für Shicoffs ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2008
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mozart: Don Giovanni

Vielleicht wäre Gustavo Dudamel für «Don Giovanni» doch die bessere Wahl gewesen. Vielleicht hätte der 23-jährige Venezolaner mit seinem jugendlichen Feuer die vertrackte Oper aller Opern zum Knistern gebracht – wie im Oktober vorletzten Jahres in Mailand (siehe OW 12/2006). Vielleicht hätte er sich auch am Pult der Berliner Staatsoper wieder von Mozarts...

Wagner: Tannhäuser

Seiji Ozawa dirigiert mehr mit den Augen als mit den Händen, die nur kleine Bewegungen verrichten. Die Liebesträume und Pilgerzüge des «Tannhäuser» erblühen betörend farbig und intensiv. Mit klarer Stimmgewalt bestreitet Eva-Maria Westbroek die Partie der Elisabeth. Gegen sie behauptet sich mit erotischen Verlockungen das dunkler getönte Organ von Béatrice...

Singen ist Leistungssport

Frau Banse, die Wärme und Innigkeit ­Ihres Soprans erinnern an Vorgängerinnen wie Irmgard Seefried oder Sena Jurinac: an Sängerinnen von einst. Gehört Ihre Stimme einem aussterbenden Typus an?
Das glaube ich nicht. Aber die Art, wie bestimmte Partien zeitweise eher schwer und dann wieder sehr lyrisch besetzt werden, erweckt vielleicht diesen Eindruck. Jede...