Rivalen
In Interviews aus jüngster Zeit ließ Philippe Jaroussky durchblicken, sein neues Album sei das letzte, das Werke des Kastratenrepertoires in den Mittelpunkt stellt. Für seinen Abgesang hat er freilich noch einmal ein schlüssig konzipiertes Programm zusammengestellt und zwei große Musiker des 18. Jahrhunderts zusammengeführt: Nicola Porpora und Farinelli – Lehrer und Schüler, Komponist und Interpret.
In kluger Einschätzung der eigenen Möglichkeiten verzichtet Jaroussky auf allzu virtuose Arien, auch wenn ihm die entfesselten Koloraturen in der Gleichnisarie «Come nave in ria tempesta» aus «Semiramide regina» beeindruckend gelingen. Seine Hauptstärke war und ist der Cantabile-Gesang, das Spiel mit Klangfarben und dynamischen Valeurs, besonders deutlich in der berühmten «Alto Giove»-Arie aus «Polifemo» mit einem langen und berückend schön ausgeführten messa di voce zu Beginn. Für zwei Stücke konnte Cecilia Bartoli als Gast gewonnen werden, die nach Jarousskys Mitwirkung an ihrem Steffani-Projekt gewissermaßen einen Gegenbesuch abstattet und ideal mit dem Countertenor harmoniert. Kongenialer Partner ist das Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon, das sowohl eigene Akzente setzt ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Thomas Seedorf
Ganz gleich, ob es sich um die Contessa oder Susanna im «Figaro», Donna Elvira oder Zerlina im «Don Giovanni», Pamina oder Königin der Nacht in der «Zauberflöte» handelt – bei Mozart steht als Besetzungsangabe immer nur «Sopran». Die Differenzierung nach verschiedenen Stimmfächern ist eine Erfindung späterer Zeit, die dafür sorgte, dass Sängerinnen, die der «Hölle...
Zoroastro stapft mit einem Handscheinwerfer an die Rampe und lässt den Strahl über die Ränge wandern. Dagegen dürfte niemand Einwände haben: eine Gelegenheit, den herrlichen Saal in Ruhe zu betrachten, den Louis XV. im Schloss Versailles so widerwillig bauen ließ. Das Publikum folgt mit Ahs und Ohs, auch wenn die Aktion wohl kaum fürs Sightseeing geplant war. Auf...
Die letzten Dinge. Haben sie eine besondere Kraft, oder neigen wir dazu, sie ihnen anzudichten? Händel konnte die Uraufführung seines letzten originalen Oratoriums «Jephtha» im Februar 1752 nur noch mit Mühe dirigieren. «He breaks very much & I think he is quite blind in one eye», beobachtete der Gelehrte James Harris. Purcell hatte 1695 noch weniger Glück mit «The...
