Reine Menschlichkeit
Vom Mantuaner Gonzaga-Hof anno 1607 in die Gegenwart (Schlussbild) hatten William Christie und Pier Luigi Pizzi das Publikum vor einem Jahr am Teatro Real mit «Orfeo» geführt (OW 7/2008). Schauplatz des zweiten Teils ihrer Monteverdi-Trilogie (in Kooperation mit dem Teatro La Fenice, Venedig) ist jetzt eine griechische Insel der Gegenwart. Sand, der den Protagonisten von «Il ritorno d’Ulisse in patria» immer wieder wie ihr Leben durch die Finger rinnt, bedeckt die Bühne. Die griechischen Tempel liegen in Trümmern am Boden. Apolls Zypresse ist tot.
Athenes Ölbaum aber nährt die Menschen wie vor Tausenden von Jahren. Die Zeit, die im Prolog mit Fledermaus-flügeln wie einem mittelalterlichen Gemälde entstiegen auftritt, hat ihr Zerstörungswerk getan. Doch die Regenerationskraft der Natur, insbesondere der menschlichen, ist stärker. Größe und Grenzen des Menschen: ins poetische Gleichnis gehoben von Monteverdi, Badoaro und Pizzi.
Penelope webt ihr schwarzes Leichen- und Leidenstuch am bäuerlichen Webstuhl. Odysseus träumt unruhig auf roh gezimmertem Bett, wie abgehobene Götter über sein Schicksal schachern. Hohl tönt Neptuns Regal, eine Zungenorgel. Pizzi holt die Renaissance-Allegorie ...
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