Reibungshitze
Die Bassariden», ließ Hans Werner Henze anlässlich einer von Gerd Albrecht geleiteten konzertanten Aufführung in Berlin vernehmen, deren Mitschnitt 1991 auf CD erschien, halte er im Rückblick für sein «wichtigstes Theaterwerk». Er verstehe sie aus der Distanz viel besser, liebe sie auch viel mehr als damals (1965/66), «als ich sie schrieb – hektisch und in einer ungewöhnlich kurzen Zeit, in weniger als einem Jahr, in einer Protesthaltung ohne ausreichende theoretische Basis und in großer Vereinsamung.
» Die Begründung des Komponisten für die späte Wertschätzung: «Interessant und modern und uns angehend und eigentlich auch die Jahre um 1968 angehend sind eben die Fragen: Was ist Freiheit, was ist Unfreiheit? Was ist Repression, was ist Revolte, was ist Revolution? All das wird eigentlich bei Euripides gezeigt, angedeutet, angeregt.» In seinem Erinnerungsbuch «Reisebilder mit böhmischen Quinten» (1996) weist Henze freilich darauf hin, dass die Idee, «die Bakchen des Euripides in ein modernes Musikdrama zu verwandeln und das neue Stück nach dem Titel eines Aischylos-Fragments aus dem Lykurgos-Zyklus Bassarai (Fuchsfellträgerinnen) zu benennen, [...] von W. H. Auden gekommen» sei, ...
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Das Vorspiel zu einem tollen Tag, in der Tat. Die Ouvertüre zur «Hochzeit des Figaro» – bei Karen Kamensek und dem in kleiner Besetzung klaglos mitpreschenden und nirgends ins Flattern geratenden Freiburger Philharmonischen Orchester ist das ein Mozart des enormen Tempos. Ein Sturm braust über das Anwesen derer von Almaviva hinweg: Revolution ante portas – und...
Wer Adalbert Stifter liest, mag sich herausfallen lassen aus der Zeit. Epische Texte, ausufernd, zum Verweilen und Zurückblättern einladend, Landschaftsgemälde aus Worten, zwischen Pastell und Öl changierend. In der Erzählung «Bergkristall» etwa, die schildert, wie zwei Kinder sich an Heiligabend in den Bergen verlaufen, heißt es: «Es war wieder nichts um sie als...
Es sind Stationen, die sich aus der Rückschau zur Reihe fügen. 1983, Komische Oper: Am Schluss von Mussorgskys monumentalem Versuch einer «Gegengeschichtsschreibung» (Ulrich Schreiber) senkt sich ein riesiges Leichentuch über Bühne, Volk und Herrscher. Die DDR liegt in den letzten Zügen. Eine «Zeit der Wirren» scheint antizipiert, ganz wie beim historischen Zaren...
