Rausch der Verwandlung
Die Szene kennen wir, sie zählt zu den entrücktesten des Stücks. «Tannhäuser», dritter Akt, wenige Minuten nach dem Entrée, das Lento. Ein Engel fleht um Aufnahme in den himmlischen Kreis, «mit halber Stimme», in hauchdünnem pianissimo und jenem silbrig schimmernden Ges-Dur, das Richard Wagner mit Bedacht für Elisabeths Gebet wählte, um ihrem Ansinnen den nötigen feierlichen Ausdruck zu verleihen. Was hat sie zuvor auch gelitten. Erst verlassen, dann betrogen und gedemütigt, nun der letzten leisen Hoffnung beraubt, den abtrünnigen Geliebten rettend in die Arme zu schließen.
Entsprechend desillusioniert hockt sie da im verwaisten Ballettsaal, die in apartes Dunkelblau gewandete Svetlana Aksenova, und produziert, vom Nederlands Philharmonisch Orkest unter Marc Albrecht wie auf weinenden Wolken getragen, einen schaurig-schönen Ton nach dem anderen. So weit, so tragisch.
Doch etwas ist anders als sonst in Christof Loys exzeptioneller Amsterdamer Inszenierung. Nicht nur Wolfram, der stets treue, unglücklich Liebende, hat sich, um den Schmerz zu lindern, eingefunden, seit einer Weile wandelt wankend noch eine weitere Trostsuchende über die riesige, zahnlose Bühne von Johannes Leiacker, ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Das Thema der diesjährigen Uraufführung an der English National Opera: der Urvater aller Serienmörder, «Jack the Ripper». So lautet der Titel des neuen London-Stücks von Iain Bell (nach «A Harlot’s Progress», siehe OW 12/2013). Gewiss, die Morde spielen eine Rolle, werden in den Erläuterungen eines Pathologen reflektiert. Doch als Figur taucht der Täter nicht auf....
Fanny Ardant
Ihr Spiel umwehte stets ein leiser Hauch von Exzentrik. Noch in ihren letzten Filmen zeigte die französische Diva, über welche darstellerischen Farben sie verfügt. Nun wagt sie sich, gerade 70 Jahre jung geworden, an die Oper und inszeniert in Athen Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk». Wir fahren hin
Cecilia Bartoli
Die Rolle passt...
Es sei barbarisch, nach Auschwitz noch Gedichte zu schreiben, dozierte einst Theodor W. Adorno. Westdeutsche Intellektuelle haben diesen Satz jahrzehntelang nachgeplappert. Glücklicherweise hielten sich Rose Ausländer, Paul Celan und Nelly Sachs nicht daran. Romanciers und Regisseure sind hingegen meist kläglich gescheitert, wenn sie sich dem Holocaust zuwandten;...
