Qualitätsarbeit
Reinhard Keisers für die Oper am Hamburger Gänsemarkt geschriebenes Opus über den «hochmütigen, gestürzten und wieder erhabenen Croesus» enthält genug action, um davon sechs Folgen einer Daily Soap zu bestreiten. Das 1711 uraufgeführte und 1730 überarbeitete Stück, das Opera North unter dem Titel «The Fortunes of King Croesus» derzeit als britische Erstaufführung zeigt, reichert ein schon damals etwas angestaubtes Libretto für Antonio Draghi mit einem komischen Subtext und einer Liebesgeschichte an.
So nimmt es kaum wunder, dass die narrative Stringenz und Charakterzeichnung nicht gerade das Niveau Händels erreicht. Indes – bei Keiser sind zwölf anspruchsvolle Partien zu besetzen, und hier zeigte Opera North eindrückliche Qualitätsarbeit.
Zum Beispiel in der Wahl des amerikanischen Sopranisten Michael Maniaci, der sein England-Debüt als Sohn des Croesus gab. Des Sprechens (und Singens!) zunächst nicht mächtig, gewinnt dieser Atis die Sprache erst mit dem traumatischen Erlebnis der Niederlage und Gefangennahme des Vaters durch den Perserkönig Cyrus wieder. Maniacis Spitzentöne kommen in bemerkenswerter Reinheit, oft freilich mit undeutlicher Diktion und schwankendem Legato. Da wirkt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Händel, mutmaßt der amerikanische Dirigent Alan Curtis im Booklet seiner Erstaufnahme von Francesco Bartolomeo Contis «David», könnte das Libretto der 1723 am Wiener Kaiserhof uraufgeführten Azione sacra gekannt haben. Unmittelbar nach der Uraufführung der auf kaiserlichen Befehl erweiterten Fassung 1724 in der Wiener Hofkirche reiste der Darsteller des Saul, der...
Um flotte Sprüche war Berlins Regierender Bürgermeister noch nie verlegen. Als «arm, aber sexy» hatte Klaus Wowereit die klamme Kapitale gepriesen. Und es besteht kein Zweifel, dass der Oberberliner im Roten Rathaus zum metropolitanen Sex-Appeal, nach dem man sich an Spree und Havel so sehr sehnt, auch die drei Opernhäuser der Stadt zählt. Seit Wowereit die...
Schon mit seiner ersten Opernregie, Glucks «Orpheus und Eurydike» im Januar 2006, gelang dem gebürtigen Magdeburger Andreas Kriegenburg ebendort ein Coup. Er verlegte das Liebesdrama in eine Zwischenwelt aus Mythos und Moderne, zeigte Figuren von heute, die dennoch etwas Überzeitliches hatten und ihr Schicksal gleich mehrfach erleben mussten.
Auch das Personal von...
