Puccini: Tosca

Weimar

Opernwelt - Logo

Der Tod hat ein seltsames Antlitz, das Antlitz des Egalitären, des Vermeint­lichen; alles nur halb so schlimm, nicht wirklich ernst gemeint. Eben so lächeln auch Floria Tosca, die Künstlerin, und Scarpia, der Polizeichef von Machiavellis Gnaden, in diesem entscheidenden Augenblick, der, und das rundet die Szene zur Farce, um einiges später eintritt als in der Partitur vermerkt. Sie lächeln sich an, während die Furie, die Tosca im roten Gewand seit einem halben Akt schon ist, das Messer etwas halbherzig in den Oberleib des Sadisten rammt, ach was rammt: sanft einführt.

Als sei der Herr aus Butter.
Die Szene nimmt für sich ein, und sie besitzt zentrale Aussagekraft, weil sie die Grund­idee der Inszenierung evoziert. Für Weimars Intendanten Stephan Märki, der – nachdem das Haus zum thüringischen Staatstheater belobigt wurde und damit à la longue Planungssicherheit hat – mit «Tosca» seine erste Opernregie wagt (im statuarischen Bühnenbild von Karoly Risz), sind die drei Hauptfiguren nicht mehr als Teilnehmer eines Spiels, dessen Regeln sie zu bestimmen meinen, während es genau andershe­rum ist: Sie sind die Marionetten; die Hand, die sie führt, sieht man nicht. Und so spielen sie ihr ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2008
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 50
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Belcanto-Trouvaillen

Aus Anlass seines zwanzigjährigen Jubil­ä­ums legt das Turiner Raritäten-Label Nuova Era eine Reihe seiner Aufnahmen zum güns­tigen Sonderpreis neu auf. Gespart wird am Booklet, das das Libretto nur noch in der Originalsprache enthält. Eine Empfehlung aber ist Bellinis «Bianca e Fernando» (1828) wert. Dies nicht nur, weil es sich um die zweite Oper eines...

Hindemith: Cardillac

Man muss nicht – wie Jean-Pierre Ponnelle in seinem auf DVD dokumentierten Münchner «Cardillac» von 1985 – den filmischen Expressionismus als Konzept wählen, um die Zwanzigerjahre-Vertonung der E. T. A.-Hoffmann-Erzählung von einem Goldschmied, der sich seine geliebten Geschmeide mittels Mord von den Käufern zurückholt, schlüssig zu erzählen. Und gewiss hätte sich...

Mit Liebe zum Detail

Die Urlauberinsel Gran Canaria bringt man bei uns kaum mit Oper in Verbindung, es sei denn, man weiß, dass Alfredo Kraus hier geboren wurde. Dabei gibt es in der Hauptstadt Las Palmas schon seit 41 Jahren ein Opernfestival, das von dem Verein «Amigos Canarios de l’Opéra» veranstaltet und vom Staat, von der Stadt, vor allem aber von solventen Sponsoren finanziert...