Problemfall «Rigoletto»
Ein Vater, der in seinem Brotberuf Zyniker vom Dienst ist, seine junge Tochter wegsperrt, sie nur zum Kirchenbesuch aus dem Haus lässt und ihr verheimlicht, wer ihre Mutter war.
Wie soll man das heute inszenieren? Wo soll eine zeitgemäße Interpretation ansetzen, wenn ein notorischer Erotomane gehobenen Standes, der jede Frau umsonst haben kann, sich mit einer Prostituierten vergnügt? Wie lässt sich eine 1851 in Venedig uraufgeführte Schaueroper plausibel darstellen, die auf einem überkommenen Gesellschafts-, Männer- und Frauenbild fußt? Ist Giuseppe Verdis «Rigoletto» überhaupt noch glaubhaft über die Rampe zu bringen?
Seit Mitte September ist am Mainfranken Theater in Würzburg zu besichtigen, dass es geht. Regisseur Markus Trabusch und Dirigent Enrico Calesso weichen diesen Fragen nicht aus, sie finden atemraubende Antworten – auch und gerade aus weiblicher Sicht. Die Partygesellschaft, die sich zu Beginn vor und hinter den Stegplatten aus Acrylglas vergnügt, lebt in einer sehr heutigen Lebenswelt (Bühne und Kostüme: Susanne Hiller). Aber niemandem wird hier einfach ein MeToo-Label angeheftet. Die Gräfin Ceprano in ihrem pinken Cocktailkleid ist kein willenloses Opfer, sie ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Monika Beer
Die Sopranistin Edith Mathis war in den 1970er- und 80er-Jahren als Mozart-Interpretin, aber auch als Oratoriensängerin in aller Welt gefragt und an vielen Operneinspielungen beteiligt. Dennoch ist es um ihren Nachruhm schlecht bestellt. Ihre großen Mozart-Partien hat sie mehrfach aufgenommen, war überdies an der Entdeckung seiner frühen Bühnenwerke wie an der...
Das Verhältnis zwischen Alter und Neuer Welt ist von jeher gespannt und gespalten, zwischen Faszination und Abwehr, Verklärung und Verteufelung: eine Polarität, die sich seit Donald Trump noch dramatisch verschärft hat. «Seine» USA sind für viele vollends zum globalen Feindbild geworden. Aber selbst die Kultur ist von Schizophrenien geprägt. So dichtete Goethe:...
Wer sich erkennen will, braucht Abstand zu sich selbst. Er muss aus der Befangenheit in den eigenen Verhältnissen hinaustreten können, frei werden von den Imperativen seines Alltags, dessen bloße Abbildung nichts als neue Nötigung wäre. Darin liegt die große Weisheit der Alten, zumal des barocken Theaters, das Geschehen der Oper zu verlegen an ferne Orte und in...
