Phantom der Oper
Wo Türen und Fenster undicht sind, zieht es, und Hoffmann ist mitten darin. Zappelnd Starres dient dem, Traum wird frei, ruft jedem nach.» So hatte 1930, halb philosophisch raunend, halb expressionistisch stammelnd, Ernst Bloch seine Kritik von Otto Klemperers berühmter Produktion an der Berliner Kroll-Oper begonnen. Offenbachs fantastische Oper ist Urgestein des 19. Jahrhunderts und destruiert die bürgerliche Gesellschaft nicht weniger radikal als Wagners «Ring».
Torso ist das bei Offenbachs Tod unvollendete Werk aber nicht nur metaphorisch, sondern ganz konkret, weil seine fragmentarische Überlieferung im Lauf der Zeit von so vielen Bearbeitern ergänzt wurde, dass die Schichten der Übermalung noch letzte Reste des Originals verdeckten – ein Vorwurf, von dem auch die 1977 erschienene und noch jetzt gläubig in Frankfurt nachgespielte Fassung von Fritz Oeser nicht freizusprechen ist. Ob die in Mannheim benutzte quellenkritische Neuausgabe von Michael Kaye und Jean-Christophe Keck, deren Klavierauszug seit 2009 vorliegt, wirklich das letzte Wort in Sachen «Hoffmann» ist, bleibt abzuwarten. Wer freilich hinter das dort kompilierte Material zurückfällt, verfehlt die doppelbödige Ironie ...
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Über «Stütze» wird unter Sängern und Gesangspädagogen rege diskutiert, obwohl der Begriff alles andere als klar definiert ist, was sich schon darin zeigt, dass verschiedene Sprachen für denselben Vorgang unterschiedliche Begriffe verwenden (z.B. appoggio im Italienischen, soutien im Französischen und support im Englischen), Begriffe, die jeweils unterschiedliche...
Bis einschließlich Takt 268 ist die Sache in trockenen Tüchern. So weit, sprich, bis ins zweite Ensemble hinein, reicht die komplett bezeichnete Partitur des dritten Akts von Bergs «Lulu». Hinzu kommen jene umfassend instrumentierten Passagen, die wir aus den «Symphonischen Stücken» kennen. Dann aber beginnen die Sorgen. Zwar erstellte der Komponist noch ein 1300...
Detlev Glanert gehört zu den wichtigsten Opernkomponisten der mittleren Generation. Wie fast alle seine zwölf vorausgegangenen Bühnenwerke beruht auch sein jüngster Einakter «Das Holzschiff» auf einer literarischen Vorlage, dem ersten Teil der Romantrilogie «Fluss ohne Ufer» von Hans Henny Jahnn. Der große Poète-maudit der deutschen Literatur erzählt in dieser...
