Perfide Langeweile
Seit Christoph Meyer 2009 die Leitung übernommen hat, ist es still geworden um die Rheinoper. Man produzierte gediegene Kulinarik, überregionaler Glanz ging ausschließlich vom Ballett unter dessen genialem Chef Martin Schläpfer aus. Zum Wagner-Jahr zeigte das einst als «Bayreuth am Rhein» geltende Haus bislang eine zahnlose Uraufführung von Helmut Oehring. Jetzt hat es sich mit der Neuproduktion des «Tannhäuser» einen handfesten Skandal geleistet. Schon nach knapp dreißig Minuten brachten empörte Buh-Stürme die Düsseldorfer Premiere an den Rand des Abbruchs.
Inzwischen wird das Stück nur noch konzertant aufgeführt. Es sind nicht Unmutsäußerungen gestriger Spießer, die diesen Abend so denkwürdig machen: Das Debakel ist kein Betriebsunfall, sondern Indiz für eine systemische künstlerische Krise der Rheinoper.
Der mit der Regie des «Tannhäuser» betraute Regisseur Burkhard C. Kosminski ist ein Opernneuling, der hier offensichtlich etwas richtig Großes vorhatte: aufzurücken in den Regie-Olymp der großen, unbequemen Neudeuter vom Schlage eines Neuenfels oder Konwitschny. Auf einen Schlag berühmt zu werden durch einen Theaterskandal. Doch es gebricht dem Opernanfänger nicht nur an einer ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Regine Müller
Amfortas hat sich fast entblößt. Sein blutverschmiertes Unterzeug lässt keinen Zweifel: Klingsors Speerstoß traf die Genitalzone. Nach der Gralsenthüllung, zu der Amfortas mühsam geschleppt wird, kriecht der blütenweiße Parsifal auf allen Vieren auf ihn zu. Mag er auch nicht begreifen, was er sah – neugierig geworden ist er. Einen ersten Schritt auf die Erlösung...
Früher, als man noch mit der Kutsche in die Oper fuhr, hätten begeisterte Aficionados Anna Netrebko die Pferde ausgespannt und das Gefährt selbst durch die Straßen gezogen. Mit Maria Jeritza hat man das in Wien so gehalten. Doch wäre eine Kutsche für die Netrebko schon damals überflüssiges Accessoire gewesen, denn von ihrer Wiener Wohnung am Franziskanerplatz zur...
Unter den aktiven Countertenören unserer Zeit zählt der 1955 geborene Dominique Visse schon zu den Veteranen. Bereits Mitte der 1970er-Jahre machte er als Solist in der Alte-Musik-Szene auf sich aufmerksam, 1978 gründete er das Ensemble Clément Janequin, das sich auf Musik der Renaissance spezialisierte und immer noch existiert. Auch auf der Opernbühne konnte Visse...
