Passt schon
Altkaseralm, Stoana-Alm, Asten-Alm, beschaulich klingt das und sieht auch so aus. Gegen die berühmteste Wiese der Geschichte kommen Erls erhöhte Grünflächen freilich nicht an: Rütli – schon bei Erwähnung des Areals am Vierwaldstättersee türmt sich Schweizer Geschichte vor dem inneren Auge auf. Und dennoch: Gioachino Rossinis «Wilhelm Tell», hier in der Zweitvariante als «Guglielmo Tell» gespielt, passt ins untere Inntal zwischen Kufstein und Rosenheim. Nicht nur in die Bergkulisse, die man während der beiden Pausen ausgiebig bestaunen darf, sondern auch akustisch.
Das Erler Festspielhaus, diese futuristische Flunder neben dem Passionsspielhaus, bietet der Partitur genug Raum – auch weil Gustav Kuhn mit dem Tiroler Festspielorchester nicht Effekte melkt, sondern mit locker ausgespieltem Handwerk an einem geschmeidigen, farben- und mixturenreichen Klangbild interessiert ist.
Mit Rossinis Musiktheatervermächtnis haben sich die Erler auf für sie recht entlegenes Terrain gewagt. Wie fast jedes Jahr wird Wagners «Ring» im akustisch hervorragenden Passionsspielhaus aufgeführt. Besonders als Kassenknüller ist das wichtig, der Stammpublikum lockt und anderes querfinanziert, der Vorverkauf ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 89
von Markus Thiel
Bellinis «I puritani» spielen im England des 17. Jahrhunderts, wo Puritaner und Katholiken sich unversöhnlich im Bürgerkrieg gegenüber stehen. Elvira, die Tochter des puritanischen Gouverneurs, ist überglücklich, als sie erfährt, dass sie nicht Riccardo heiraten muss, sondern ihren Märchenprinzen kriegt, den katholischen Lord Arturo. Doch das schnelle Happy End...
Endlich ist er in Russland angekommen: Mieczyslaw Weinbergs «Idiot». Zwar gab es 1991 ein paar Aufführungen an der Pokrovsky Kammeroper in Moskau, doch gespielt wurde damals eine stark gekürzte Fassung, die bald vom Spielplan verschwand. Für das russische Publikum ist Weinberg bis heute eher ein namenloser Filmkomponist als Schöpfer von Klavier- und Kammermusik,...
Die Stube ist grell erleuchtet, Senta lümmelt auf dem Boden und glotzt Seefahrer-Videos. Hinter ihr steht eine lebensgroße Pappfigur, ein junger Mann mit Engelsflügeln und Elvis-Tolle: Der fliegende Holländer als Star-Schnitt im Jugendzimmer. Mit guten Ideen wie dieser holt Regisseurin Julia Huebner einen 170 Jahre alten Opernstoff kindgerecht ins Heute. Zum achten...
