Parcours der Plattitüden
Der Herr möge ihn, so klagte Fritz Kortner, vor Regisseuren mit Einfällen verschonen. Bei Mozarts «Don Giovanni», der ersten Premiere der neuen Spielzeit an der Hamburgischen Staatsoper, hat Doris Dörrie das Publikum mit Einfällen – gewiss mehr als mille e tre – nicht verschont und dazu mit pseudo-tiefsinnigen Überlegungen konfrontiert, die letztlich uralt sind: dass Giovanni ein «blinder Fleck» sei, ein «im Grunde genommen ziemlich langweiliger Kerl». Im Libretto wie in der Musik gebe es nichts, was darauf hindeute, dass dieser Giovanni mehr sein könnte als eine Katastrophe.
Schon bevor sie nach der Aufführung mit trotziger Lach-den-Protest-weg-Pose in ein Kurzgewitter von Buh-Rufen trat, hatte Simone Young zu Beginn des zweiten Aktes lautstarkes Missfallen über sich ergehen lassen müssen. Es galt zum einen der Intendantin, die mit der Wahl ihrer Regisseure bislang wenig Fortüne zeigte, zum anderen aber auch der Dirigentin an der Spitze eines spröde, dynamisch grob musizierenden Orchesters und eines wenig homogenen Ensembles.
Wenn sich nach dem lärmig hingeworfenen d-Moll-Akkord der Hörner, Trompeten, Pauke und schrillen Flöten der Vorhang öffnet, wandert unter dunkel-dräuendem ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Kesting
Elf Jahre lang war Hermann Bäumer Posaunist bei den Berliner Philharmonikern, bevor er diese sichere Stellung verließ, um als Dirigent von Jugendorchestern und als GMD in Osnabrück ein neues Leben anzufangen. Ein Aussteiger, der den event- und profitgeilen Klassikmarkt getauscht hat für ein konzentriertes Arbeiten an der Musik selbst – und dafür in die Provinz...
Unmittelbar nach der legendären Mailänder Wiederbelebung von Donizettis «Anna Bolena» durch Luchino Visconti und Maria Callas gab es im Oktober 1957 in New York eine konzertante Aufführung mit Gloria Davy und Giulietta Simionato. Seitdem stand das Stück immer wieder einmal auf dem Programm. 1966 nahm es die American Opera Society mit Elena Suliotis, Marilyn Horne,...
Skurriler Saisonauftakt an der Bastille. Man wollte es besonders gut machen, bestellte bei Regie-Routinier Jean-Louis Martinoty eine neue Inszenierung des Gounod’schen «Faust» – nachdem die legendäre Produktion von Jorge Lavelli mehr als drei Jahrzehnte im Programm der Opéra national de Paris gewesen war. Und engagierte Roberto Alagna für die Titelrolle – in...
