Oratorium in Blau
Von allen Werken Wagners bereitet der einst so populäre «Lohengrin» heute die größten Schwierigkeiten. Der Dichter-Komponist hat hier ein auseinander strebendes Bündel an Motiven – Liebesutopie, Künstlerdrama, politische Parabel, Mysterium über die Zweideutigkeit des Heiligen – zum Weltanschauungstheater zusammengepresst.
Und der ideologische Missbrauch, bis hin zur Gleichsetzung des Schwanenritters mit dem Gründer des Dritten Reiches, drohte das Stück vollends zu sprengen – umso mehr, als er sich ja nicht nur des Stoffs, sondern auch der oftmals arg banal blechbläserklirrenden Musik mit ihren Aufmärschen, Fanfaren, Volksreden und Sieg-Heil-Rufen bedienen konnte.
Wie einst Wieland Wagner hat Peter Beat Wyrsch um die Zwiespältigkeit des Ganzen einen Bogen gemacht und versucht, sich durch einen Befreiungsschlag aus dem verminten Terrain zwischen Utopie und Ideologie auf die Seite des Rein-Menschlichen zu schlagen. Aber die Zeiten sind nicht mehr so, dass wir an das Märchen vom autonomen, freien Menschen Lohengrin noch glauben können. Und Wyrsch ist auch kein Wieland Wagner, der die formale Stilisierung durch gestische Expressivität aufzubrechen wüsste. Zu allem Unglück hat sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das alte Klagelied der Leichten Muse: Warum gibt es keine neuen, aktuellen Operetten mehr? Immer nur Wien, Wien, nur du allein, und natürlich Offenbach. Der schaute seiner Zeit und deren Gesellschaft bissig-witzig-aggressiv mit intelligenter Musik und pointierten Texten ins Gesicht und kalte Herz. Noch heute amüsiert uns das, die Machart vor allem, denn die...
Dass Großbritannien ein Paradies für Exzentriker jedweder Couleur sei, ist keineswegs bloß ein wohlfeiles Klischee. Wohl in keinem zweiten Land der Alten Welt werden private Marotten, bizarre Gebräuche und Umständlichkeiten im öffentlichen Leben mit einer so weitherzigen, selbstverständlichen Toleranz bedacht (und zum Gegenstand eines erfrischend selbstironischen...
Der ultimative «Eugen Onegin» ist dieser Mitschnitt aus der Wiener Staatsoper nicht, er hält lediglich ein regionales Ereignis fest: die mit berühmten Stimmen besetzte erste Wiener Aufführung der Oper in der russischen Originalsprache.
Das Unternehmen krankt schon vom Pult aus. Seiji Ozawa sucht das, was er für «russische Seele» hält, durch lähmend langsame Tempi...
