Opernmysterium

Kaiserslautern | Braunfels: Verkündigung

Opernwelt - Logo

«Verkündigung» war das erste Werk, das der wegen seiner jüdischen Abstammung 1933 aus allen Ämtern entlassene Walter Braunfels nach seiner Verfemung durch die Nazidiktatur komponierte. Jetzt hat Kaiserslautern die vergessene, seit ihrer Uraufführung in Köln 1948 an keinem Theater mehr gespielte Oper aus der Versenkung geholt und dabei ihre Bühnenwirksamkeit auf eindrucksvolle Weise bestätigt.

Wie die wenig später entstandene «Jeanne d’Arc» handelt es sich auch bei diesem auf ein Schauspiel von Paul Claudel zurückgehenden «Mysterium» um kein psychologisches Charakterdrama, sondern um ein religiöses Bekenntniswerk. Im Zentrum steht das Weihnachtswunder der Menschwerdung, die sich hier zeichenhaft an der Erweckung eines toten Kindes wiederholt. Die junge Violaine verzeiht dem Dombaumeister Peter, der ihr einst Gewalt angetan hat, steckt sich durch einen Kuss bei dem Aussätzigen an und wird von ihrem Verlobten Jakobäus verstoßen, der daraufhin ihre Schwester Mara heiratet. Jahre später bringt Mara in der Weihnachtsnacht ihr totes Kind zu der inzwischen erblindeten Violaine. Während die Glocken läuten und Engelschöre erklingen, geschieht das Wunder. Aber die ungläubige Mara lehnt das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Metamorphosen

Schwer zu sagen, was hinter den Türen geschieht. Das alte Adelsgeschlecht, so lässt es uns Edgar Allan Poe in seiner Erzählung wissen, hat sich seit Langem abgeschottet von der Außenwelt. Erst als der Regisseur das Licht dimmt und eine Stimme aus einem Brief Rodericks zitiert, fühlt sich auch das Publikum eingeladen, dem «Untergang des Hauses Usher» beizuwohnen....

Bewerbungsstück für Bamberg

Den Ruhm, der ihm als Erzähler schon zu Lebzeiten zuteil wurde, hätte Ernst Theodor Amadeus Hoffmann lieber als Komponist geerntet. Aber dieses Glück blieb ihm versagt. Heute wissen auch fortgeschrittene Musikliebhaber oft nicht, dass er Opern geschrieben hat. Seine 1816 in Berlin uraufgeführte «Undine» wurde in unserer Zeit vereinzelt gegeben, meist in...

Auf dem falschen Trip

Irgendwann war da nur noch die Angst. Wenn René Voßkühler auf die Bühne musste, folgte sie ihm. Wie ein Raubtier, das jeden Moment zum Sprung ansetzen konnte. Diese Panik vor dem Überfall war das Schlimms­te. Vor einer Attacke aus dem Hinterhalt. Ein permanenter Alptraum, der ihm die Kehle abschnürte. Über jedem Auftritt stand die unausgesprochene Frage: Was ist,...