Opernfassung total
So etwas kann sich nur ein Sammlerhirn ausdenken – und alle, die ähnlich ticken, dürfen sich nun bei ihm bedanken. Andreas Ommer besitzt ein solches Hirn. Er hat mehr als fünfundzwanzig Jahre lang nach Opernaufnahmen gefahndet, um sie karteikartentauglich zu machen. Heute nutzt man für solche Projekte bekanntlich andere Medien, daher liegen Ommers Rechercheergebnisse nun als CD-ROM vor.
Erfasst wurden sämtliche Aufnahmen – so zumindest wollen wir es unterstellen – vom ersten «Bajazzo» 1907 unter Leitung des Komponisten bis zu Suppés noch nicht veröffentlichter «Schöner Galathée», aufgenommen im November 2005 bei den Tagen Alter Musik in Herne. In der Rubrik «Unsere Besten» gibt es einen klaren Sieger: «Spitzenreiter ist mit 175 Aufnahmen ‹Tosca› von Giacomo Puccini, aber auch ‹La Bohème›, ‹La traviata›, ‹Don Giovanni›, ‹Aida›, ‹Carmen›, ‹Il trovatore›, ‹Die Walküre›; ‹Le nozze di Figaro› und ‹Rigoletto› sind mit jeweils mehr als hundert Aufnahmen vertreten. Doch Ommer hat sich nicht nur mit dem bereits veröffentlichten Material zufrieden gegeben; auch «wichtige Rundfunk- und Fernsehübertragungen von Opernaufführungen», die «bis jetzt noch nicht auf Tonträgern erschienen sind», ...
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Spätestens mit Walter Felsenstein ist uns bewusst geworden, dass die Opernbühne zweierlei Arten der Darstellung erlaubt. Einmal das «mit Ausdruck Singen und dazu Spielen», wie es für die Oper als Regel gilt. Freilich nicht fürs Musiktheater. Denn für Letzteres ist Musik «nicht etwas vorher Gegebenes, in das der Sänger sich während des Singens einfühlt» (Joachim...
Puccini muss erst einmal warten. Denn um ihn ging es bei der Premiere des «Trittico» an der Deutschen Oper Berlin zunächst gar nicht. Im Vordergrund stand das gesellschaftliche Ereignis: So viel Prominenz aus Politik und Kultur findet sich in der Oper nur selten ein. Sogar der Bundespräsident hatte sich die Ehre gegeben. Es ging nicht zuletzt um die Frage, ob die...
Die Schlachten waren längst geschlagen, und in Erinnerung blieben die Momente der Überwältigung. «Ja, so ein sieghaftes hohes C, wie’s die Mali gehabt hat, bleibt in Herz und Ohr», schrieb Hans Richter, der erste «Ring»-Dirigent, an Amalie Materna, Wagners Brünnhilde von 1876. Der Brief stammt aus dem Jahr 1911. Da hatte Materna ihre Karriere schon fast zwanzig...
