Offen gestanden...
Frau Mattila, ist es Ihnen während einer «Lohengrin»-Vorstellung schon mal passiert, dass Sie die Elsa mitsingen wollten?
Nein, aber ich genieße die Szenen mit ihr, weil sie sich nun so anders anfühlen! Schöne Erinnerungen steigen da in mir auf. Ich mochte die Elsa sehr gern, als ich sie noch sang – allerdings wollte ich immer Ortrud sein. Ein spannender Charakter, eine faszinierende Frau. Es ist für mich ein natürlicher Weg, zur Ortrud zu kommen. Auch als ich Chrysothemis in Richard Strauss’ «Elektra» war, wollte ich immer Klytämnestra sein.
Und bei meiner ersten Kabanicha in Leoš Janáčeks «Katja Kabanowa» in Berlin fragte mich meine Kollegin, ob ich die Titelrolle vermisse. Ich sagte: «Das ist vorbei, ich habe meine Katja-Zeit genossen.»
Also sind Sie froh, dass Sie endlich richtig böse sein dürfen.
Sagen wir es so: Für mich war es nie ein Problem, in eine Figur zu schlüpfen, die nicht gefällig oder sympathisch ist. Es ist eine Abwechslung nach allen diesen Prinzessinnen.
Christa Ludwig sagte einmal, dass alle Mezzos nach den Diven-Partien der Soprane streben. Gibt es auch die umgekehrte Entwicklung, weil Elsa & Co. zu brav sind?
Früher dachte ich immer, dass Elsa ein bisschen ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Interview, Seite 28
von Markus Thiel
Frau Kermes, Sie haben Ihre Kollegin Cecilia Bartoli vor Kurzem auf Twitter gedisst, wegen des Covers der «Farinelli»-CD, wo sie ausschaut wie Conchita Wurst …
Naja, Conchita Wurst gibt’s ja nicht mehr, sie ist längst wieder ein Mann mit kurzen Haaren. Außerdem hatte Farinelli nie einen Bart. Mir tut es einfach leid, weil viele Menschen sich darüber lustig machen....
Dass die Archive der BBC noch viele vergessene Schätze bergen, erweist sich ein weiteres Mal mit der Veröffentlichung von Aufnahmen der Weber’schen «Euryanthe» (1955) und Mozarts «Le nozze di Figaro» (1961). Die Aufzeichnung von Carl Maria von Webers romantischer Oper – der Musik wegen heiß geliebt, des abstrusen Librettos wegen kaum auf der Bühne zu erleben – war...
Ich sind viele. Eine Binse eigentlich. Kein Mensch lässt sich auf den Einen, die Eine, das Eine verrechnen. Das Selbst ist ein fluides Kompositum, labile Schnittmenge verschiedener Einflüsse und Prägungen: Genetik und Gesellschaft, Biologie und Kultur, Gegenwart und Geschichte fließen da, oft unentwirrbar, als formierende Faktoren zusammen. Doch nicht selten...
