Obstsalat
Es geht auch anders, doch so geht es auch»: Ans Freudenhaus denkt Macheath bei dieser Zeile in Brecht/Weills «Dreigroschenoper». Nicht, dass ein solches im Linzer «Siegfried» vorkommen würde. Doch versteht man das französische Wort bordel in seiner umgangssprachlichen Bedeutung als «Durcheinander», passt das Zitat durchaus zu Uwe Eric Laufenbergs Produktion. So, wie der Regisseur und sein Bühnenbildner Gisbert Jäkel das Scherzo der «Ring»-Tetralogie aufziehen, geht es auch. Irgendwie.
Freilich, die wirklich gelungenen szenischen Konstellationen sind rar; im Versuch, traditionelle Theaterbilder und die Welt der neuen Medien zu verbinden, läuft allzu vieles durcheinander. Wobei manche Einfälle auch an frühere «Ring»-Exegesen von Chéreau bis La Fura dels Baus denken lassen.
Nach dem Wolkenkratzer-Panorama am Ende der «Walküre» hätte man nun eine Verortung des Geschehens in, sagen wir: Las Vegas erwartet. Doch Mime scheint Jung-Siegfried in eine brasilianische Favela verschleppt zu haben. Arm oder nicht, ein Computer ist natürlich im Haus, und Siegfried schmiedet das Schwert nach Anleitung aus dem Internet (Video: Falko Sternberg), aber doch auch auf altbackene Weise, und spaltet ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Gerhard Persché
Als eine der wenigen romantischen Belcanto-Opern ist Bellinis «Sonnambula» nie ganz von den Spielplänen verschwunden und hat als Virtuosenfutter für Primadonnen überlebt. Erst Maria Callas hat die ja nur scheinbar harmlose Idyllik der nachtwandelnden Amina expressiv aufgebrochen. Aber es sollten nochmals weitere fünfzig Jahre vergehen, ehe es dem Regieduo Jossi...
Von Zeit zu Zeit, und wenn der Lauf der Dinge wieder mal nicht so ist, wie er sein sollte, denkt der geschichtsbewusste Österreicher an den guten alten Kaiser Ferdinand I. mit dem Beinamen «der Gütige». Wobei Letzterer sich weniger auf des Regenten Wohltätigkeit als auf seine limitierten intellektuellen Fähigkeiten bezog. So soll er, mit der 1848er-Revolution der...
Er hatte wohl recht, jener Kritiker der halboffiziellen «Gazzetta privilegiata di Venezia», als er Verdis «Simon Boccanegra» nach dem Uraufführungsfiasko im März 1857 «eine vielleicht zu gewaltige, zu ernste Musik» bescheinigte und diagnostizierte, «eine Grabesstimmung» beherrsche die Partitur. Tatsächlich hatte Francesco Maria Piave, der Librettist der Urfassung,...
