Neapolitanischer Sonderweg
Der Siegeszug der Barockoper auf dem modernen Musiktheater kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nur ein schmaler Ausschnitt aus der riesigen Überlieferung ist, der bisher wieder zum Leben erweckt wurde. Eine Statistik für die Jahre 1980 bis 2003 dokumentiert, dass genau die Hälfte der insgesamt 3320 Produktionen auf vier Komponisten entfällt: Händel, den jungen Mozart, Gluck und Monteverdi. Dieser Trend dürfte sich seither nicht verändert haben. Ganze Bereiche barocker Opernschätze liegen weiterhin im Dunkeln.
Das betrifft neben der Sonderform der französischen Tragédie lyrique vor allem die Grauzone im Übergang vom venezianischen Früh- zum neapolitanischen Hochbarock, als sich unter dem Einfluss der Arkadier allmählich die dann in den 1720er-Jahren von Metastasio kodifizierte Seria mit ihrer streng normierten Abfolge von Rezitativ und Abgangsarie herausbildet.
Zu den ins Abseits geratenen Komponisten gehört auch Alessandro Scarlatti (1660-1725). Man kennt ihn als Schöpfer der weltlichen Solokantate und als Oratorienkomponist. Seine insgesamt 115 Opern allerdings sind gründlich vergessen. Die erste schrieb er 1679 für das Teatro Caprancica in Rom, die letzte, die ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Uwe Schweikert und Carlo Vitali
Impressum
53. Jahrgang Nr. 1
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752239
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 0
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www.opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 06.12. 2011.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
Herr Kwiecien, niemand hat Don Giovanni in den letzten Jahren an so vielen Opernhäusern gesungen wie Sie. Wissen Sie, wie oft?
Annähernd hundertmal, in rund zwanzig verschiedenen Produktionen. Will sagen: Der Don Giovanni ist nichts Neues mehr für mich.
Das klingt nach Routine.
Nun ja, wenn ich diese Partie in Paris, Bilbao oder München singe, mache ich zunächst mal...
Es war Gounods «Faust», mit der die Metropolitan Opera 1883 ihre Pforten öffnete. Ein Werk, das sich in New York sofort großer Beliebtheit erfreute. Spötter nannten die Met damals – zu einer Zeit, als Millionen Amerikaner noch Deutsch als Umgangssprache pflegten – scherzhaft das «Faustspielhaus». Bis in die 1950er-Jahre hinein sollte das Stück im Met-Repertoire...
