Nahe am Ideal
Die Liebesnacht der Marschallin und Octavians muss eine stürmische Angelegenheit gewesen sein. Furioser hätte der neue Karlsruher «Rosenkavalier» nicht beginnen können als mit dieser grandios aufgefächerten Introduktion der immer neuen, sich immer mehr überschlagenden orchestralen Anläufe, ihrer Atemlosigkeit, ihrem stetigen Nachlegen.
Die exzellente Badische Staatskapelle und ihr GMD Justin Brown bestimmen diese Strauss-Darstellung ganz wesentlich – auch in den lebensphilosophischen Ruhemomenten, bei den wundersam delikaten, nie triefenden Lyrismen, den federnden Walzer-Paraphrasen, dem leicht und beweglich gestalteten Dialog-Parlando. Dass die Aufführung sich zum Strauss-Glücksfall auswächst – dazu ist das inspirierte musikalische Gelingen die conditio sine qua non.
Nicht oft wird das zentrale Diktum der Marschallin, die Zeit sei «ein sonderbar’ Ding», optisch so sinnfällig eingefangen wie von dem Karlsruher Regieteam aus Dominique Mentha (Inszenierung), Christian Floeren (Bühne) und Ute Frühling (Kostüme). Eisskulpturen flankieren die Szene im fürstlichen Boudoir wie beim steinreichen Emporkömmling Faninal, auf dessen glattem Parkett das Bedienungspersonal per Schlittschuh ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Festivals II / Panorama, Seite 63
von Heinz W. Koch
Ein Blick auf die Besetzungszettel dieser beiden historischen Fernsehopern ruft bei mir erst einmal nostalgische Gefühle wach. Ihre Erstausstrahlung habe ich als Schüler auf dem Bildschirm verfolgt, die meisten der beteiligten Sänger noch auf der Bühne erlebt. Beim Wiedersehen fast ein halbes Jahrhundert später ist mein Eindruck sogar noch stärker, was sicher auch...
Zum Thema Wagner und Italien gibt es mannigfache Bildbände, Reisebeschreibungen usw. Die Zeitschrift «wagnerspectrum» hat sich in ihrer jüngsten Ausgabe selbstverständlich ehrgeizigere Ziele gesetzt und macht dem zweiten Teil ihres Namens alle Ehre. Ein «Spectrum» tut sich auf, das viel Neues enthält, anderes in minutiöser Zusammenschau bietet.
Dass Wagner mit den...
Antonio Pappano bekommt leuchtende Augen, wenn er über die Arbeit mit Christof Loy an Bergs «Lulu» spricht. Da haben sich anscheinend zwei gesucht und gefunden: ein Regisseur mit tiefem Musikverständnis und ein Dirigent, der das Theater leidenschaftlich liebt. Das Ergebnis ist ein seltener Glücksfall heutigen Musiktheaters, der an dieser Stelle anlässlich der...
