Der Unfassbare
Eine Sache müsse er jetzt noch sagen. Nicht um Musikalisches ging es in diesen Minuten, um das Programm mit Strauss und Brahms, sondern um so viel mehr. Dankbar sei er dafür, sprach Mariss Jansons, wie sehr er mit den Musikern zusammenwachsen durfte, wie man zu einer Familie geworden sei. Die jetzt – und das sagte er nicht, weil es mitschwang in diesen Worten – ihm Halt gab, vor allem Energie in einer Zeit, in der alles anders geworden war. Kurz vor seinem Tod ereigneten sich diese Minuten, in einer Probe mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
Noch schmaler war Jansons geworden, noch ausgezehrter und gebeugter. Und wenn man ein Foto aus diesen letzten Tagen betrachtet, das ein Musiker gemacht hat, wird noch klarer: Eigentlich hat Hoffnung in diesem Augenblick die Gewissheit verdrängt. Alle Zeichen sprachen dafür – diese Ansprache war eine Art Testament.
Als dann in den Morgenstunden des ersten Dezembers die Nachricht von seinem Tod durchsickerte, fiel die Musikwelt in eine Schockstarre. Wie beliebt ein Künstler tatsächlich war, das lässt sich an den Reaktionen auf eine solche Tragödie erkennen. Sind es große, respektvolle, hehre Worte? Die gab es wohl und zu ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Abschied, Seite 32
von Markus Thiel
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