Mystischer Verismo
Verismo, eine Mixtur aus Leidenschaft, Herzschmerz und Bigotterie – so präsentiert sich der Operndreiakter «Mala vita» von Umberto Giordano, dessen «Andrea Chénier» über den politisch schillernden Dichter der Französischen Revolution zum italienischen Kernrepertoire gehört. Nahezu ohne historische Bezüge und von rauerer Bauart ist die «Mala vita»-Handlung, in ihrer süditalienischen Dynamik entfernt an «Cavalleria rusticana» erinnernd: Der moribunde Färber Vito gelobt, um dem nahen Tod zu entgehen, die Prostituierte Cristina zu heiraten.
Als er wieder munter wird, verschieben sich die Perspektiven: Der anscheinend wundersam Gerettete fühlt sich als Retter einer «gefallenen» Frau, wird bockig und hält sie hin, zumal seine bisherige Mätresse Amalia ältere Rechte anmeldet, die Nebenbuhlerin sogar tätlich angreift. So bleibt Cristina als Opfer zurück, während Vito, ungeachtet des nicht eingehaltenen Gelübdes, weiterhin pumperlgesund dahinlebt.
Die Hure als Opfer: Die gut (oder schlecht) katholisch unterfütterte Pointe wird in der Gießener Inszenierung von Wolfgang Hofmann drastisch ausgespielt. Vito leidet, Cristina stirbt auf einem Altar in Bühnenmitte. Aber auch die fatale sexuelle ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Hans-Klaus Jungheinrich
Das Stück berührt immer noch. In der als inszeniertes Konzert angekündigten Aufführung von Henzes Dokumentar-Oratorium «Das Floß der Medusa» in der Bochumer Jahrhunderthalle gerät das Werk allerdings in seichtes Gewässer und läuft, um im Bild zu bleiben, ähnlich spektakulär auf Grund wie die Fregatte «Medusa» 1816 bei dem Versuch, den Senegal für Frankreich...
Das Schlusswort haben die Streicher. Ein Ton, der wie verlöschendes Feuer glimmt, ein letztes Mal Licht spendet, bevor es dunkel wird und still. Ein sehrend schwingender Strahl, er trifft ins Mark. Was kann jetzt noch kommen? Niemand weiß es. Auch Schönberg wusste es nicht. Mit diesem im Offenen verhallenden Ton endet «Moses und Aron», sein unvollendetes...
Chapeau! «81 [runs] not out» ist eine stolze Zahl für einen Batsman, noch dazu für einen Amateur, und dies im legendären Londoner Cricket-Stadion «The Oval». Das ist, als hätte jemand beim Fußball in Wembley einen Hattrick erzielt. Britten-Biograf Humphrey Carpenter erwähnt diese Anekdote, um Peter Pears’ Skrupel zu beschreiben, dem diese sportliche Tat angeblich...
