Musik vor Szene
Für John Caird, den Regisseur der neuen «Aida» an der Welsh National Opera (WNO) in Cardiff, spielt die Geschichte vor allem in Radames’ Oberstübchen. Quelle seiner Leidenschaft, so Cairds These, seien die Fantasien eines Mannes in mittleren Jahren. Folglich sitzt Dennis O’Neill gleich zu Beginn im Scheinwerferlicht. Jacke und Hose deuten auf die Zeit um 1870. An einer Wasserpfeife saugend, blickt er mit ausdrucksloser, leicht benebelter Miene ins Leere – ein barocker Heiliger, der gerade eine Vision hat.
Die Kriegsparteien – Priester, Äthiopier und der ägyptische Hofstaat mit einem König, dem Emma Ryott (Kostüme) eine viktorianische Uniform und einen Fez beschert hat – tummeln sich auf verschiedenen Ebenen. Die Bühne (Yannis Thavoris) ist wie ein verkrustetes Bärengehege gestaltet, womöglich gehört es zu einem Zirkus, der mit wilden Tieren seine Späße treibt. Darüber verlaufen Holzstege, auf denen die ausgezeichnet disponierten Choristen der Welsh National Opera bequem Platz finden. Die Chöre bereiten noch die größte Freude in einer Aufführung, in der ausnahmslos Rampensingen statt plausibler Personenführung angesagt ist.
Man denke an ein Filmplakat aus den Dreißigern, das für ...
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Nach Tommaso Traettas »Sofonisba» (siehe OW 4/2006) und Niccolò Piccinnis »Catone in Utica» (siehe OW 4/2007) erinnert Mannheim zum dritten Mal an die große Zeit der kurpfälzischen Hofoper unter Kurfürst Karl Theodor. Diesmal fiel die Wahl auf den 1766 uraufgeführten «Alessandro» von Gian Francesco de Majo. Wie Piccinni, Traetta und Gluck gehörte der 1770...
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Ein Volltreffer («La Juive»), eine szenisch aufrüttelnde Produktion («Der fliegende Holländer») und zwei musikalisch halbwegs gelungene Abende («Les Troyens», «Idomeneo») bilden die nicht gerade üppige Bilanz der diesjährigen Stuttgarter Saison, die zum Spielzeitende mit Rossinis französischer Buffa «Le Comte Ory» den Tiefpunkt dessen erreichte, was man an diesem...
