Modellhafte szenische Versuche
Sechs modellhafte Versuche, die Gattung Oper nach dem Verstummen Wagners und Verdis ins 20. Jahrhundert hinüberzuretten, sind in sechs modellhaften Produktionen zu besichtigen, die im zurückliegenden Jahr erstmals auf DVD herausgekommen sind. «Modellhaft» bezeichnet dabei einen Interpretationsansatz, der genaue Werkkenntnis mit szenischer Fantasie verbindet, ohne den nachschöpferischen Akt des Inszenierens in den Vordergrund zu rücken.
So hat es in den letzten Jahren beispielsweise nicht an regielichen Versuchen gefehlt, das eigentlich unverwüstliche Verismo-Tandem «Cavalleria rusticana»-«I pagliacci» durch werkfremde Einfälle doch kleinzukriegen. Wer wissen will, was in diesen beiden Stücken an sich steckt, ist mit Giancarlo del Monacos Madrider Inszenierung gut bedient. Der Sohn des großen Tenors hat diese Werke gleichsam in den Genen, seine Münchner Inszenierung von 1978 begründete seine Karriere. Seitdem hat er Cav/Pag, wie die Engländer sagen, in verschiedenen Städten mit verschiedenen Bühnenbildnern immer wieder neu aufgenommen. Diese bislang jüngste Produktion zeigt keine Spuren erschlaffter Routine, sondern verbindet Tradition mit erhellenden neuen Einfällen und vermeidet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mike Svobodas «Der unglaubliche Spotz» in Freiburg
«Gleich beginnt die Oper. Bitte nehmen Sie Ihre Plätze ein», flüstert es durch die Lautsprecher im Werkraum des Freiburger Theaters. Einige Grundschulklassen sind an diesem Morgen mit ihren Lehrern zur Aufführung von Mike Svobodas Kinderoper «Der unglaubliche Spotz» gekommen – und vieles ist anders als sonst im...
Dass nicht nur Musik Mode wird, sondern Mode auch mal Musik, mag als faszinierende Idee erscheinen. Mode freilich muss sich immer «auf der Höhe der Zeit» bewegen. Folgerichtig müsste auch die musiktheatrale Annäherung an den auratischen wie den kommerziellen Begriff von Mode up to date sein. Giorgio Battistelli mag dergleichen durch den Kopf gegangen sein, als er...
Der junge Adorno war begeistert. «Die Stadt Mahagonny», schrieb er 1930 über das neue Gemeinschaftsopus von Brecht und Weill, «ist eine Darstellung der sozialen Welt, in der wir leben, entworfen aus der Vogelperspektive einer real befreiten Gesellschaft.» Damals lag der Skandalrauch, den deutschnationale Bedenkenträger rund um die Leipziger Uraufführung des...
