Mit Christus in die Kantine
Aus und vorbei! Mit Louis Varneys «Les Mousquetaires au couvent» von 1880 ist die Ära Jérôme Deschamps an der Pariser Opéra Comique zu Ende gegangen. Der Intendant gönnte sich aus diesem Anlass das Vergnügen, wieder mal zu zeigen, dass er vor allem Künstler ist: Nicht nur zeichnet er für die Regie verantwortlich, er übernahm auch die Sprechrolle des Gouverneurs. Die Inszenierung verbindet gekonnt klassische Kostüme und ein modernes Bühnenbild, die Szenen sprühen vor Witz, ohne je ins Vulgäre abzugleiten, die Gags sind treffsicher platziert.
So bebt der Zuschauerraum vor Lachen, als Christus vom Kreuz steigt, um mal eben mit den Nonnen in die Kantine zu gehen. Und Deschamps ist unwiderstehlich als Schauspieler: eine Art französischer Otto Schenk mit Perücke, in dem die Tradition der Comédie Française mit dem ironischen Geist seines eigenen Theaterensembles «Les Deschiens» zur Synthese kommt. Ähnlich zwerchfellerschütternd war schon sein Comedy-Auftritt anlässlich der 300-Jahr-Feier seiner Opéra Comique geraten – da versuchte er sich in der Originalkostümierung von 1902 (samt Perücke) als Debussys Pelléas.
Aber Deschamps ist weit mehr als ein Meister der Burleske. Seiner Intendanz ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Christian Merlin
«Verdi ist der am schwierigsten zu inszenierende Opernkomponist» – so Sergio Morabito 2013 in einem Interview. Verdis erfundene Wirklichkeiten beharren unerbittlich auf Ort, Raum und Zeit. Flotte Aktualisierung der Emotionen, Charaktere, Situationen und Geschichten, mit denen sie spielen, verfehlt ihren Sinn. Jossi Wieler und Sergio Morabito sind darum in ihrer...
Um den Liedgesang braucht einem nicht bange zu sein, wenn, gleichsam aus dem diskografischen Nichts, zwei junge Sänger, der Schweizer Tenor Mauro Peter und der ladinische Bariton Andrè Schuen, nicht nur ein Versprechen auf die Zukunft abgeben, sondern es mit ihren Debüt-CDs gleich erfüllen. Dabei haben sie es sich mit der Wahl ihrer Programme nicht leicht gemacht...
Über eine längere Weile hin verdämmert das Licht, und irgendwo im Off, in den Katakomben der Träume, spielt Elisabeth Leonskaja Schumanns «Geistervariationen» von 1854. Unter diesem Namen sind sie bekannt geworden, weil eine Engelserscheinung (oder aber jene Schuberts) das Thema vorgegeben haben soll. Es passiert im Theater an der Wien, gegen Ende des letzten...
