Mission der besonderen Art
I. «Das klingt jetzt wie im Dom-Konzert. Man hört Sie gut. Sie können viel weniger geben.» Musikalische Feinjustierung für die Rheintöchter. In neuer akustischer Umgebung müssen sie das Schwimmen erst wieder lernen. Der Bademeister ist derselbe wie zu Hause: Philippe Auguin, Nürnbergs langjähriger Generalmusikdirektor. Aber sonst läuft alles anders bei dieser «Rheingold»-Probe in Pekings Poly-Theatre. Statt über eine Staffel von Gazeschleiern wogt der Rhein nun auf Dia-Projektionen.
Eine Unterbühne gibt es nicht, so dass die goldenen Riesenbuchstaben, mit denen Alberich sein Nibelheim dekoriert, nicht in der Versenkung verschwinden, sondern seitlich herausgeschoben werden müssen. Neues Timing also für Götter, Riesen und Zwerge. Auf der Bühne zieht es gewaltig, so dass der halbnackten Freia nicht nur Fasolt und Fafner drohen, sondern auch eine Erkältung. Im Orchester friert man ebenfalls und hat noch den Jetlag in den Knochen. Vor allem: Die Sitzordnung musste dem schmalen Orchestergraben angepasst werden. Die Harfenistin sitzt jetzt mitten im Hörnerschwall. Die Kontrabässe sind rechts neben dem Dirigenten postiert. Man hört wenig voneinander. Morgen schon soll Walhall in ...
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An der Mercedesstraße von Cannstatt nach Untertürkheim liegt die Stuttgarter Schleyerhalle, in der Reitturniere stattfinden, Holiday on Ice versprochen wird und in der Bon Jovi oder Udo Jürgens auftreten. Rund achttausend Zuschauer begehrten an einem goldenen Oktoberabend Einlass, um eine Legende zu besichtigen: Luciano Pavarotti, der wenige Tage zuvor siebzig...
So geht es also auch! Während anderswo Theater geschlossen oder kaputtgespart, Orchester aufgelöst werden, schaffen sich in einer westfälischen Kleinstadt (zirka achtzigtausend Einwohner), die zwar über ein schmuckes Stadttheater (Baujahr 1908), nicht aber über ein eigenes Ensemble verfügt, Bürger ihre Oper selbst: Ohne städtische Subventionen, mit geringfügiger...
Wir schreiben das Jahr 1973, gerade hat der Diktator Pinochet in Santiago de Chile die Macht an sich gerissen. Also gibt es in dieser «Tosca» keine Kirche mit Kapellen und einem Maler bei der Arbeit, sondern einen schlichten Raum mit eingemauerter Madonna und angrenzendem Fotolabor, das auch eine konspirative Wohnung sein könnte. Später, wenn die Musik des Te Deum...
