Missbildung als Logo
Wo beim jüngsten Auftragswerk der Vlaamse Opera «Richard III» draufsteht, da ist tatsächlich auch «Richard III» drin. Librettist Ian Burton hat eindeutig und wiedererkennbar an Shakespeare entlang verdichtet. Bis hin zum finalen Stoßseufzer nach dem Pferd, das Richard am Ende seiner Karriere gegen sein Königreich eintauschen will. Giorgio Battistellis Musik, die Luca Pfaff dem flämischen Opernorchester mit Vehemenz entlockt, ist groß besetzt und kommt düster daher. Ein tragischer Finsterlingston, der manchmal selbst cineastische Pinselstriche nicht scheut.
Es ist eine Musik, die fortwährend – bald skandierend, bald oratorisch – ihre eigene Bedeutung behauptet. Zwar (fast) immer auf emotionalem Erregungsniveau und ohne allzu viel differenzierende Figurencharakteristik, doch mit Entfaltungsraum für das expressive, baritonale Dauerparlando des Titelhelden.
Den rückt Scott Hendricks imponierend ins Zentrum einer Shakespeare’schen Welttheater- und Kampf-Arena. Eine Gerüstkonstruktion mit leicht zur Seite gekippten, steil ansteigenden Zuschauerreihen. Der Boden ist knöcheltief mit rotem Sand bedeckt, der dann, wenn gemeuchelt wird, wie Blut spritzt. Maskenhafte Melonenträger in ...
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