Metamorphosen des Unverwechselbaren

Eine Individualistin, die sich mit jedem Stück neu zu erfinden sucht – Porträt der britischen Komponistin Judith Weir

Opernwelt - Logo

Am liebsten schreibt sie für Freunde. Für Menschen, die sie gut kennt. Judith Weir hält wenig von Theorien, Programmen oder Schulen. Wichtiger ist ihr der Dialog mit den Interpreten, die ihre Musik aufführen. Egal ob es sich um Profis oder Laien handelt.

Hat nicht jede Sängerin, jeder Instrumentalist, jedes Orchester, jeder Chor eine Persönlichkeit, eine spezielle Aura, die man nicht einfach austauschen kann? Die Vielfalt, den Reichtum individueller Stimmen und Charaktere fand die in London aufgewachsene und heute wieder dort lebende Komponistin mit schottischen Wurzeln seit jeher faszinierend. Und es ist dieser inspirierte Sinn für das Einzigartige im Konzert erlebter Klänge, der ihren Werken ein Aroma des Unvergleichlichen, durch alle Raster Fallenden verleiht. Kein Stück gleicht dem anderen, keines kreist variierend um eine bereits eingeführte Idee oder ein schon erkundetes Motiv. Immer weht ein frischer Wind, gleichsam vom Nullpunkt der Imagination – einer Fantasie, die ohne große Gesten auskommt, vielmehr das poetisch verdichtete Understatement, die flüchtige Miniatur, die feine Ironie sucht.

Das zeichnet sich schon in «King Harald’s Saga» ab, einer Mini-Oper auf eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Bären zähmen

In seiner zweiten, bis auf zwei Aktschlüsse vollendeten Oper «Chowanschtschina» («Die Chowanski-Verschwörung») war Modest Mussorgsky noch radikaler als im «Boris Godunow». Wieder versuchte er eine komplexe Periode der russischen Geschichte, in der die Machtfrage offen war, auf die Opernbühne zu bringen. Nach dem Tod Fjodors III. (1682) kämpften die Kinder seiner...

Common Sense

Dass England zwischen Purcell und Elgar das «Land ohne Musik» gewesen sein soll, ge-
hört zu den geistvollen Gemeinplätzen, die auch Generationen patriotischer Musikwissenschaftler, Künstler und die «Early English Opera Society» nicht aus der Welt räumen konnten. Die Bemühung um eine englischsprachige Oper begann 1656 mit Sir William Davenants «The Siege of Rhode»...

Wiederentdeckt

Man sollte es kaum glauben. Aber ausgerechnet das fest im Norden verwurzelte Stadttheater Bremerhaven blickt nicht nur auf eine ausgeprägte, zuletzt 2009 mit Donizettis «Lucrezia Borgia» bediente Belcanto-Tradition zurück, sondern hat sich in den letzten Jahrzehnten auch mit Aufführungen von Opern des jungen Verdi – unter anderem «Luisa Miller», «Die beiden...