Meta-Oper
Jacques Offenbachs einzige Oper hat es in sich: Obwohl Freud noch längst nicht in Sicht war, drängen sich angesichts der an Traumsequenzen erinnernden Handlung psychoanalytische Deutungsmuster auf. Drei bizarre Liebesgeschichten erzählt der dauertrunkene Dichter Hoffmann – für den E. T. A. Hoffmann Pate stand – seinen Saufkumpanen im Laufe einer durchzechten Nacht. Leblose Puppe, Künstlerseelchen mit Hang zur Tragödie und venezianische Hure: Hinter Hoffmanns Objektwahl verbergen sich die Antagonismen männlichen Begehrens.
Man kann Offenbachs Torso, von dem es bis heute keine definierte Gestalt gibt, aber auch als eine Art Meta-Oper lesen, als eine Reflexion über Kreativität, Inspiration und Kunstwillen. Letzteren Weg hat die scheidende Bielefelder Operndirektorin Helen Malkowsky gewählt und die drei Episoden auf ungemein einleuchtende Weise miteinander verflochten. Saskia Wunsch hat dazu die Drehbühne mit durch Gänge, Treppen und Türen verbundenen Räumen bestückt, die jeweils die Hauptspielorte der einzelnen Episoden markieren und fließende Übergänge und Ortswechsel ermöglichen. Der Prolog-Akt beginnt in einer Theaterkantine, in der eine Autorenlesung von Hoffmanns neuestem, aber ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Regine Müller
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