Mentales Nichts
Soll es ein Wald sein, dichtes Geäst, durchsetzt von Lichtpunkten? Oder doch eine Metropole aus der Vogelperspektive? Oder einfach ein Haufen Geröll? Schimmert plötzlich ein bleiches Riesengesicht hervor? Schwer zu sagen, schwer zu sehen, was da im ersten Akt hinter Mimes metallener Baukastenwerkstatt flimmert. Denken kann man sich viel, es bringt aber wenig. Denn mit Deutung haben die Videos nichts zu tun. Wie ja dieser ganze «Ring» sich zu keiner Deutung aufraffen kann.
Er bleibt beim «Siegfried», was er schon beim «Rheingold» war: ein mentales Nichts, dessen szenischer Leerlauf durch ständig im Fluss gehaltene Pixelbilder bloß verstärkt wird. Nettes 3-D-Design, auf das eine ambitionierte Hotel-Lounge stolz sein könnte. Manchmal ähnelt es aber auch nur einem Bildschirmschoner.
Mit Wagners finsterer Weltuntergangsparabel und ihrem Anspruch hat es jedenfalls nichts zu tun. Mit einem intermedialen Ansatz auch nicht. In ein paar Jahren wird man bloß noch lächeln über diese Art, die Bühne mit digitalen Mustern zu dekorieren. Was da in maßloser Selbstüberschätzung als «‹Ring› des 21. Jahrhunderts» angepriesen wird, ist schon jetzt die szenische Nullnummer des bevorstehenden ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Stephan Mösch
Sicher, irgendwie war er nicht von dieser Welt. «Ich wurde auf Sirius ausgebildet, und dort will ich auch wieder hin», erklärte Karlheinz Stockhausen einmal, als er noch im Bergischen Land wohnte. In Kürten bei Köln, wo er 26 Jahre lang, von 1977 bis 2003, an seinem opus magnum, dem siebenteiligen Opernzyklus «Licht» gearbeitet hatte. Er sah sich als Geisteswesen,...
Erinnert sich noch jemand? Als im April 2007 die ersten Bautrupps anrückten, um auf dem Dach eines alten Hafenspeichers die neue Elbphilharmonie zu errichten, war Hamburgs Bürgerschaft mächtig stolz. Die von den Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron entworfene Glaswelle auf historischem Ziegelsockel sollte für Weltgeltung sorgen, vergleichbar dem Opernhaus...
Im Wald, da sind nicht nur, halli, hallo, die Räuber. Sondern auch die Phantome der deutschen romantischen Fantasie, zwielichtige Wesen wie Undine, Fafner, die Knusperhexe, Samiel. Der Wald ist ja, wenn man Elias Canetti glauben will, gerade für Germanen ein magischer Ort: «Das Rigide und Parallele der aufrecht stehenden Bäume, ihre Dichte und ihre Zahl erfüllt das...
