«Meine Stimme ist nicht schön»

Renée Fleming kann mit der Art, wie sie vermarktet wird, gut leben. Dabei will das Etikett der Wohlklang-Stimme eigentlich so gar nicht zur Selbstwahrnehmung der 55-Jährigen passen. Hier spricht sie über Charisma, unvorhersehbare Entwicklungen, Zweifel, Vorbilder und eine hart erarbeitete Karriere, die derzeit vor allem um Richard Strauss kreist

Opernwelt - Logo

Ihr letztes Album hieß «Guilty Pleasures», sündiges Vergnü­gen ...
Ja, es ist mein schlechtes Gewissen. Denn die Titel sind gar zu schön. Zumindest gemessen an den üblichen, europäischen Kriterien. Die CD knüpft an mein Album «The Beautiful Voice» an, das vor fünfzehn Jahren eine Art Durchbruch für mich bedeutete. Zumindest hat es das Klischee gefestigt, das mir seither anhängt. Mein letztes Album «Poèmes» enthielt dagegen mit Messiaen, Dutilleux und Ravel eher schwierige Werke.



Glauben Sie, dass Ihr Repertoire Gefahr läuft, aus dem Gleichgewicht zu geraten?
Als eine bekannte Sängerin muss ich darauf achten, regelmäßig ein größeres Publikum anzusprechen. Diesem Zweck dient «Guilty Pleasures». Das Programm umfasst Lieder in acht Sprachen, darunter viele Entdeckungen. Aber auch viele Lieblingssachen von mir.

Ein Konzeptalbum ohne Konzept?
Genau! Dagegen ist auch nichts einzuwenden, finde ich. Ich bin eine amerikanische Künstlerin, bei uns hat Klassik auch immer etwas mit Unterhaltung zu tun. Also ist auch mein Schuldgefühl am Ende natürlich nur ein ironisches.

Hadern Sie gelegentlich mit dem Klischee der «schönen Stimme»?
Ich weiß nicht recht. Es entspricht jedenfalls nicht meiner ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Interview, Seite 26
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Lebenswege

Drei Generationen, drei Stimmfächer, drei mögliche Arten, eine Sängerbiografie zu schreiben. Arleen Auger wird zum 20. Todestag gewürdigt, Jochen Kowalski zum 60. Geburtstag – und die 37-jährige Elina Garanca, weil sie ein MedienDarling ist. Da gebührt natürlich der großen amerikanischen Interpretin der Vorrang: Ein einziges Mal nur hat Ralph Zedler Arleen Auger...

Gott sei Dank

Noli me tangere – rührt mich nicht an, scheint der schlanke Mann an der Bühnenrampe uns anzuflehen. Wohin mit den Händen, den Füßen, dem Blick? Hilflos, verspannt steht er da, als der Applaus aufbrandet, für ihn. Blinzelt scheu ins Gegenlicht, lugt verstohlen in den Graben, will unterschlüpfen bei den Choristen. Mark Andre wäre in diesem Moment wohl am liebsten im...

Editorial

Wir wussten, dass Gerard Mortier nicht mehr viel Zeit bleiben würde. Dass er den Tag im Mai, an dem «Opernwelt» und der «Ring Award» in Graz sein Lebenswerk mit einem neuen Preis für Musiktheater, dem «Mortier Award», würdigen werden, womöglich nicht mehr erleben könnte. Er hatte sich sehr über die Initiative gefreut und die Statuten des Preises mitbestimmt. Nun...