Maß und Mitte
Ja, diesem Anfang wohnt ein Zauber inne. Kraftvoll, zugleich behutsam, kurz: raumöffnend die ersten Akkorde der «Zauberflöten»-Ouvertüre. Hier vibratolose Streicher, dort schmetternde Naturtrompeten, deren differenziertes Spiel nicht eine Sekunde die Balance gefährdet. Und kaum hat das fugenähnliche Allegro begonnen, bringt Yannick Nézet-Séguin das Orchester zum Sprechen, Flüstern, Seufzen, Jubeln.
Der frankokanadische Dirigent, der im September vorzeitig sein Amt als Generalmusikdirektor der New Yorker Metropolitan Opera antritt, lässt die Kontraste lustvoll aufeinanderprallen, ohne Effekthascherei zu betreiben. Er ist nah bei den Solisten, sorgt mit sprechendem Gestus für Atempausen wie musikalischen Fluss und drückt auch diese, nunmehr sechsten für die Deutsche Grammophon aufgenommenen Mozart-Oper aus Baden-Baden (der fehlende «Idomeneo» ist noch nicht terminiert) mit untrüglichem Gespür für Maß und Mitte seinen Stempel auf.
Da ist es fast schon tragisch, dass ausgerechnet Rolando Villazón, der den Zyklus im Jahr 2011 initiierte und bei allen Produktionen mitwirkte, den Glanz dieser Gala im ausverkauften Festspielhaus trübt. Mit der Baritonpartie des Papageno hat sich der ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Georg Rudiger
Es ist schon merkwürdig, dass die größten Wachstumsraten im Bereich der britischen Opernszene auf dem Lande zu verzeichnen sind. Jeden Sommer scheinen abseits der Städte neue Festivals aus dem Boden zu schießen und sich die bereits bestehenden zu vergrößern – ob sie nun alljährlich die Spielzeit verlängern oder das Programm immer ambitionierter aufziehen.
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Als den «eigentlichen Begründer des Kunstlieds in Frankreich» hat Maurice Ravel einmal Charles Gounod bezeichnet. «Reclams Liedführer» hakt ihn in einem Halbsatz ab – Grund genug also, die neueste CD zu begrüßen, die der Bariton Tassis Christoyannis jetzt in Zusammenarbeit mit der Fondation Palazzetto Bru Zane dem Liedschaffen des in Deutschland stets...
