«Manon», italienisch

Vittorio Grigolo triumphiert an der Seite Anna Netrebkos am Royal Opera House in London

Opernwelt - Logo

Gekommen war man, um Anna Netrebko in ­einer ihrer Paraderollen zu hören – doch das Ereignis der neuen «Manon» des Ro­yal Opera House in London war am Ende nicht die Diva, sondern ihr Chevalier. «Die Geburt eines neuen Stars», «Das sensationellste Debüt seit Langem» bejubelte die englische Presse den jungen Italiener Vittorio Grigolo, der damit wohl den entscheidenden Schritt zur Weltkarriere gemacht hat. Nach diesem Abend dürfte der Ersatzmann für den ursprünglich vorgesehenen Rolando Villazón die besten Chancen haben, die Nachfolge des kränkelnden Mexikaners anzutreten.

Mit der Eröffnung der neuen Met-Saison im Herbst (als Rodolfo) und einer parallel erscheinenden Debüt-CD bei Sony sind die Weichen für den Tenor aus Arezzo gestellt.

Sein Des Grieux ist von Anfang an das musikalische Kraftzentrum: Kerngesund klingt Grigolo in allen Lagen und Lautstärken, sinnlich und strahlend das an di Stefano erinnernde Timbre, lebendig und suggestiv die Gestaltung. Dazu ausgezeichnetes Französisch, Spieltalent und die Latin-Lover-Looks für die romantischen Helden – es ist schon fast beängstigend, wie Grigolo alle Anforderungen an das Berufsbild «Startenor» zu erfüllen scheint.

Natürlich ist sein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Im Fokus, Seite 8
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nicht nur Britten

Die größte Überraschung, die der Ausstellungsraum von Aldeburghs «Red House» derzeit zu bieten hat, dürfte ein kleiner vergilbter Zeitungsartikel sein. Er stammt vom Juni 1943 und berichtet von einer Aufführung des «Rigoletto» an Londons Sadler’s Wells Opera mit einem jungen Sänger namens Peter Pears in der Rolle des Herzogs von Mantua. Der damals 33-Jährige sollte...

Auf der Überholspur

C-Dur gilt als die Neutrale zwischen den Tonartenkreisen, als jene Skala, die keine bestimmte emotionelle Haltung einnimmt, sondern eher äußerlichen Glanz verkündet. Bei Mozart wirkt sie oft auch wie die Decke, die beschönigend über häusliche Unordnung geworfen wird, wenn Besuch kommt. Etwa im Finale von «Così fan tutte», da die verstörten Paare sich mühen, den...

Pittoresk, psychologisch

Wenn Filmregisseure Oper inszenieren, ist das Ergebnis oft erstaunlich konservativ. Sei es aus Ehrfurcht vor der hohen Kunst oder schlicht aus Unbeholfenheit scheuen sich die meisten Filmemacher, die Möglichkeiten ihres Mediums auf die Opernbühne zu übertragen und inszenieren statt dessen lieber kreuzbrav am Libretto entlang. Die Britin Penny Woolcock ist da leider...