Mainstream mit Familie Muti

Puccini: Manon Lescaut Rom / Teatro dell’Opera

Opernwelt - Logo

Man kennt das schon, jede Premiere eine Zitterpartie. Spielen sie noch oder streiken sie schon? Schon die Saisoneröffnung an der hoch verschuldeten Opera di Roma mit Verdis «Ernani» unter Riccardo Muti war im vergangenen November akut gefährdet, weil die Gewerkschaften mit einem Ausstand gedroht hatten. Im Dezember 2013 bekam das Haus einen externen Kommissar zugewiesen, der eine Pleite abwenden sollte.

Nun, Ende Februar, drei Tage vor der ersten Aufführung einer neuen «Manon Lescaut», wiederum unter Mutis Leitung und inszeniert von des Maestros Tochter Chiara, kursierten erneut Streikgerüchte. Der römische Bürgermeister Ignazio Marino drohte sogar mit der Schließung des Hauses, falls die Puccini-Premiere platzen sollte. Das zeigte Wirkung, «Manon Lescaut» war gerettet, abermals im letzten Augenblick.

Am Ende des Premierenabends entlud sich die brisante, polarisierte Stimmung – erbitterte hausinterne Feindseligkeiten, eine radikalisierte Fangemeinde, moralisierende Entrüstung angesichts der künstlerischen Vereinnahmung dieser «Manon» durch Familie Muti – in einem Sturm aus Standing Ovations und vehementen Buhs. Zuspruch wie Zorn richteten sich an die Adresse aller Beteiligten, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Carlo Vitali

Weitere Beiträge
Belcanto modern

Christof Loys ausgefeilt-stimmige Züricher Inszenierung von Bellinis romantischem Melodramma «La straniera» (siehe OW 8/2013), von der man hoffen möchte, dass sie dem zu Unrecht vernachlässigten Stück einen ähn­lichen Innovationsschub gibt wie Jossi Wielers und Sergio Morabitos wegweisende Stuttgarter «Norma» 2002, hat – mit gänzlich neuer Besetzung – das Essener...

Schwarze Revue

Verdis «Aida» hatte schon immer das Zeug, Skandal und Sensation zu machen. An dem Hybrid aus kriegstrommelnden Massenszenen und intimem Kammerspiel hat sich manches Regieteam die Zähne ausgebissen. Auch Altmeister Dietrich Hilsdorf, von dem es heißt, er sei brav geworden, hat bereits vor 25 Jahren in Essen eine «Aida» abgeliefert, die zwar Kultstatus erreichte und...

Tschechischer Orpheus

Im Jahr 2012 wurde in Dresden ein Märchenschatz gehoben: Jaromir Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» (siehe OW 5/2012). In dieser Oper folgt der Titelheld dem Räuber Babinsky in die weite Welt hinaus, entflammt eine Eisprinzessin, macht dem Teufel das Leben zur Hölle und kehrt dann zurück ins traute böhmische Heim, zu seiner Dorotka. 1927 machte dieser...