Lust und Last der Tradition
Elbflorenz. Das ist natürlich ein Wunschbild, eine Projektion. Aber doch auch ein Stück Realität. Allen Verletzungen, allen Beschädigungen zum Trotz. Wer heute nach Dresden reist, findet sich in einer wunderschönen Stadt. Vielleicht ist Dresden unter allen an einem Strom gelegenen deutschen Städten die majestätischste. Die Zerstörung vom Februar 1945 merkt man ihr noch an, obwohl viele der kulturhistorisch wichtigsten Bauten neu erstanden sind: Zwinger, Sempergalerie, Katholische Hofkirche und Kreuzkirche bis in die sechziger Jahre, die Semperoper schließlich 1985.
Die Weihe der Frauenkirche hatte ein weltweites Echo. Gerade vollendet wurde die äußere Rekonstruktion des Residenzschlosses. Auch das historische Grüne Gewölbe mit barockem Kunsthandwerk lockt Besucherströme an. Rings um die Frauenkirche ersteht der Neumarkt mit vielen Bürgerhäusern, darunter das Wohnhaus von Heinrich Schütz, dem ersten deutschen Komponisten von europäischem Rang.
Dresden ist in der Verbindung von Natur und Kunst ein mythischer Ort. (Abb. oben) Eng in die reizvolle Elblandschaft eingebettet, haben sich seit dem 13. Jahrhundert hier die Künste nach und nach angesiedelt, begünstigt durch die ...
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Es ist nicht überliefert, ob Giuseppe Verdi Otto Nicolais Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» gekannt hat, die zur Zeit der Arbeit am «Falstaff» erstmalig auf italienischen Spielplänen erschien. Dennoch sind die Wege der beiden Komponisten auf merkwürdige Weise miteinander verbunden. Beide begannen ihre Laufbahn als Opernkomponisten im gleichen Jahr 1839 in...
An drei Orten gleichzeitig wurde «Der Silbersee» am 18. Februar 1933 uraufgeführt: in Magdeburg, Erfurt und Leipzig, dort unter Tumulten – keine drei Wochen nach der Machtergreifung Hitlers und vier Wochen, bevor Weill Hals über Kopf vor der Gestapo nach Frankreich fliehen musste. Regie führte in Leipzig Detlef Sierck, der später als Douglas Sirk in Hollywood...
Der amerikanische Orientalist Edward W. Said hat in seinem Buch «Kultur und Imperialismus» Verdis «Aida» unterstellt, dass sie «nicht so sehr ein Werk über als vielmehr der imperialen Herrschaft» sei. Genau das Gegenteil trifft zu. Dass Verdis populärste Oper sich auf kritische Weise mit dem impliziten Imperialismus des Sujets auseinandersetzt, ist spätestens seit...
