Lübeck: Innere Zerrüttung

Verdi: Don Carlo (Lübeck / Theater)

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Da ist schon jemand. Ein junger Mann in schwarzem Wams und weißer Pluderhose. Irre Augen, bleiches Gesicht, das rotgelbe Haar fällt in wirren Strähnen. Wie ein gehetztes Tier kauert er da, bebend vor Angst. Zur Strecke gebracht im staubgrauen Verlies, das Stefan Heinrichs auf die kleine Bühne des Lübecker Theaters gebaut hat. Während die Zuschauer noch nach ihren Plätzen suchen, ist der Infant schon bis über die Halskrause verstrickt in den Wahnsinn, der uns aus Verdis «Don Carlo» anspringt.

Mit einem Galan, der ­noblen Herzschmerz verströmt, wenn er die große Liebe an den machtbewussten Vater verliert, hat dieser Typ nichts zu tun. Man spürt sofort, bei diesem Carlo steht alles auf dem Spiel – das Glück, die Zukunft, das Leben.

Der koreanische Tenor Yoonki Baek «spielt» die Rolle, als gehe es auch um sein eigenes Leben. Ein fulminanter Sängerdarsteller, der sich verausgabt, sich verschwendet an eine Figur, die am emotionalen Autismus der höfischen Gesellschaft zerbricht, in der sie gefangen ist. Und darüber fast die Stimme verliert. Auf sich zurückgeworfen, in sich verkapselt, zur Einsamkeit verdammt sind sie alle in Sandra Leupolds Lübecker «Don Carlo»-Welt. König Philipp – kein ...

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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Albrecht Thiemann

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