Liebesblick der Ware
Wir sind, schrieb Bernd Guggenberger in seiner Studie über die «Schönheit als soziale Macht», umzingelt von Bildern, die sich «über raffiniert arrangierte Begegnungen der allerersten Art, der kreatürlichen Dimension, ihren Anteil an der knappen Ressource Aufmerksamkeit zu sichern» versuchen. Im Zeitalter virtueller Stars muss man sich wohl damit abfinden, dass inzwischen auch bei Sängerinnen die Schönheit die beste Empfehlung ist – wie bei Danielle de Niese. Vom Cover ihres «Mozart-Albums» schenkt sie den Kunden das, was Karl Marx als den Liebesblick der Ware bezeichnete.
Bezeichnend, dass neben den musikalischen Produzenten auch die der femininen Imago aufgeführt werden, die Stylisten für Make-up und Haar. Dann hört man die exotische Schönheit, die auf der Rückseite eines PR-Heftes im durchscheinenden Kleid am Fenster steht, mit der Motette «Exsultate, jubilate» – doch das Gesicht der Stimme, sehr nahe am Mikrofon aufgenommen und dadurch artifiziell vergrößert, ist keineswegs so makellos ebenmäßig wie das zartrosa geschminkte der Sängerin.
Die Stimme, ein lyrischer Sopran, klingt hell und wendig, in Koloraturen aber, wie schon die erste Sechzehntel-Kette von «Exsultate, jubilate» ...
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