Liebe macht blind
Tito liebt Berenice, muss aber aus Gründen der Staatsräson auf sie verzichten. Sesto, Titos engster Freund, ist Vitellia hörig. Für diese aber, die Tochter des gestürzten Imperators Vitellius, ist Liebe eine kalte Zweckbeziehung – sie möchte auf den Thron, einerlei ob durch die Heirat mit Tito oder einen erfolgreichen Umsturzversuch Sestos. Die Rede ist von Mozarts letzter Oper «La clemenza di Tito», die im neuesten Bärenreiter-Set der Studienpartituren endlich «Die sieben großen Opern» voll macht – eine Entwicklung, die im Mozart-Jahr 1956 niemand vorauszusagen gewagt hätte.
Theatralisch laboriert das Werk allerdings noch immer am eingefahrenen Vorurteil der angeblich lustlos heruntergeschriebenen, zudem ästhetisch überholten, weil ein altes Seria-Libretto Pietro Metastasios mehr schlecht als recht kaschierenden Festoper für die Prager Krönungsfeierlichkeiten Kaiser Leopolds II. Mozarts Librettist Caterino Mazzolà hat den Intrigenmechanismus der barocken Haupt- und Staatsaktion Metastasios samt deren politisch-juristischem Substrat drastisch beschnitten, die Figuren vom Podest geholt und durch ein Wechselbad der Gefühle empfindsam verbürgerlicht. Zum Fürstenspiegel taugt die ...
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Ob man die melodramatische Mär von dem glücklichen Bergburschen Pedro, der ihm in einem Tal der Tränen zugeführten Marta und deren Peiniger, dem Großgrundbesitzer Sebastiano, nun als deutsche Variante des Verismo feiert oder als Flachrelief eines Wagner-Epigonen abkanzelt – «Tiefland» bietet jede Menge Stoff für zupackende Solisten und Dirigenten. Die harmonische...
Von ihrer Dramaturgie her kann der «Salome»-Neuinszenierung des Mannheimer Nationaltheaters ohne weiteres zugestimmt werden. Gabriele Rech überfrachtet die Vorlage nicht durch weit hergeholte Assoziationen. Zentraler Ansatzpunkt: Die Titelfigur ist kein sexbesessenes männermordendes Ungeheuer. Im Text ist bekanntlich keine Rede vom sadistischen Monster, und die...
«Wehe der Zeit, die keine Helden hat», klagt Galileos Lieblingsschüler. Und der Meister flüstert ihm zu: «Wehe der Zeit, die Helden nötig hat». Dann wendet er sich zu Tisch, weil er, der von der Inquisition überwachte, verachtete und gebrochene Wissenschaftler, immer noch gern isst. So endet Michael Jarrells Oper «Galilée», ein Werk, im Auftrag des Genfer Grand...
