Liebe im Kopf
Die Sache ist heikel. Das Libretto nach einem Buch des japanischen Nobelpreisträgers Yasunari Kawabata erzählt die Geschichte eines Freudenhauses, das alten Männern ein besonderes Vergnügen bietet. Sie dürfen die Nacht im Bett mit einem sehr jungen, in Tiefschlaf versetzten, unbekleideten jungen Mädchen verbringen. Erlaubt sind keine Berührungen, nur Gedankenflüge. Aber die umfassen durchaus erotische, sogar Gewaltfantasien.
Komponist Kris Defoort und Regisseur Guy Cassiers, gemeinsam mit Marianne van Kerkhoven auch Librettisten, setzen das so zurückhaltend und diskret in Szene, als wollten sie demonstrativ jedem Gedanken an den Fall Dutroux, der sich keine 100 Kilometer entfernt von Brüssel zugetragen hat, einen Riegel vorschieben. Und doch bewahrt sie das nicht davor, bei den Besprechungen selbst in einem seriösen Medium wie Deutschlandradio mit Schlagzeilen wie «Japanischer Kinderschänder sucht Belgien heim» konfrontiert zu werden.
Dabei schlägt bei dieser Oper die bisweilen arg schwergewichtige philosophische Tiefe jede sexuelle Leichtigkeit aus dem Feld. Die drei als sich steigernde Folge beschriebenen Nächte im Bett mit der schlafenden Schönheit lösen bei Yoshio, dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Das hätte Mozart auch nicht besser schreiben können», war mein spontaner Gedanke, als ich Lucillas Arie «Chi sa, chi sa qual sia» aus Vicente Martín y Solers «Il burbero di buon cuore» (Der herzensgute Unwirsch) zum ersten Mal hörte. Da hatte ich das Kleingedruckte (im Booklet zur DVD) noch nicht gelesen. Tatsächlich handelt es sich bei dieser Arie (wie auch bei...
Im November 2002 feierte an der Berliner Staatsoper Schostakowitschs «Die Nase» unter Kent Nagano Premiere – eine Aufführung, die vor allem wegen des Bühnenbildes und der Kostüme von Jörg Immendorff größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Sechs Jahre später gab das Mariinsky Theater unter Valery Gergiev in der Deutschen Oper ein mehrteiliges Gastspiel – auf...
Waldemar Kmentt, der am 2. Februar seinen 80. Geburtstag feierte, war über ein halbes Jahrhundert eine Wiener Opern-Institution und in seinem Stimmfach einer der vielseitigsten Sänger seiner Zeit. 78 Partien in fast 1500 Vorstellungen hat er allein an der Wiener Staatsoper gesungen, seine Bandbreite reichte dabei von Gluck bis Cerha. 1951 wurde er Ensemble-Mitglied...
