Leiden, hoffen, sehnen
Kein «Städtchen Kalinow am Ufer der Wolga», sondern ein unfertiger Hausklotz, von knöcheltiefem Wasser umgeben (aha, der Strom), auf der einen Seite Fensterlöcher, die auf Pleite während des Rohbaus schließen lassen, auf der anderen ein Laboratorium. Weißkittel allenthalben, hier hat die Kabanicha das Sagen. Erdbebenforschung, lesen wir im Programmbuch. Wir dachten: Da werden wesensverändernde Tinkturen erklügelt. Mit einer solchen macht die Titelheldin, statt in den Fluss zu gehen, denn auch ihrem Leben ein Ende.
Und mittendrin praktizieren die beiden (gar nicht so) Alten – ein ultrakurzer Hauch von Komik – in einem Kessel so etwas wie Liebe am Arbeitsplatz. Die Rede ist von Armin Petras’ Inszenierung der «Katja Kabanova», seiner ersten Berührung mit der Oper.
Keine «einsame Mühle im Gebirge», sondern ein weiträumiges Wohnzimmer in neuzeitlichem Design, lindgrüne Tapete, weiße Sitzgruppe, seitlich ein großes Fenster in die Winterkälte, oben das Schlafzimmer der Titelheldin, darüber der Dachboden. Hier residiert keine Armut. Die Buryjas haben Geld, Stewa, ein rechter Turnschuh-Stenz mit Neigung zu den Weibern und zum Trunk, wirft mit Scheinen um sich. Die Rede ist von Dmitri ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Heinz W. Koch
Zum vierten Mal fand in diesem Jahr der Concours Ernst Haefliger statt. Der Namensgeber war zweifellos einer der vielseitigsten Tenöre des 20. Jahrhunderts: als Evangelist der Bach-Passionen ebenso berühmt wie als Mozart-Sänger und Interpret zeitgenössischer Werke. Nicht zuletzt war Haefliger ein bedeutender Gesangspädagoge. Bei der ersten Ausgabe des Wettbewerbs...
Ostwestfalen-Lippe brennt für Richard Wagner. Während das Theater Bielefeld, die größte Bühne der Region, sich auffallend abstinent gibt und das kommende Jubiläumsjahr zu ignorieren scheint, wagt man an den umliegenden Kleinsthäusern immer wieder das schier Unmögliche: Im Landestheater Detmold, einem Theaterjuwel mit knapp 650 Plätzen, gibt es einen vollständigen...
Ein Wagnis ist das. Zwei wenig gespielte Stücke zum Saisonauftakt an der Oper Frankfurt, zwei Premieren innerhalb eines Monats. Miteinander zu tun haben Samuel Barbers «Vanessa» und Engelbert Humperdincks «Königskinder» nicht allzu viel. Immerhin wurden beide an der Metropolitan Opera in New York uraufgeführt (1910 bzw. 1958/1965). Auch wäre es kaum übertrieben zu...
