Leerstellen
Es kann ein Wagnis für die Regisseurin sein, dem Publikum vorab ihre Sicht auf das inszenierte Stück mitzuteilen, muss man sich dann doch an der eigenen Absicht messen lassen. Monique Wagemakers ging das Risiko ein. «Wir erzählen die Geschichte aus der Perspektive von Siegmund, Sieglinde, Brünnhilde und den Walküren, den Kindern Wotans», wird sie im Programmheft zitiert. Diese Vorgeschichte, so Wagemakers, sei «konzeptioneller Ausgangspunkt unserer Produktion, der sich auch im Bühnenbild niederschlägt: So ist die Materialität des Raumes verbranntes Holz».
Versprechungen solcher Art führen zu Erwartungen. Leider konnte die Regisseurin diese mit ihrer Lesart der «Walküre» nicht erfüllen.
Das Theater Chemnitz will mit seinem «Ring»-Zyklus die «weibliche Sicht» auf Wagners Tetralogie zeigen; vier Regisseurinnen inszenieren. Den Anfang machte Verena Stoiber mit ihrer konsumkritischen Deutung des «Rheingold»: unverkrampft, frisch und voller Ideen. Wagemakers hingegen scheint die zündende Idee zu fehlen – oder sie kann sie nicht umsetzen. Um ihre Intentionen zu vermitteln, reicht es nicht, wenn im ersten Akt einmal ein Kinderpaar – Siegmund und Sieglinde – im Hintergrund auftaucht oder ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Nora Sophie Kienast
Nicht Falstaff gab den Helden an der Berliner Staatsoper, nicht Parsifal, Daniel Barenboim war es. An den neun Festtagen seines Osterfestivals stand der nie Ermüdende sieben Abende lang am Pult und dirigierte die Letztwerke Verdis und Wagners, je zweimal «Parsifal» und «Falstaff» – und wie zur Entspannung dazwischen im Konzert Mahlers Siebte (mit den Wiener...
Mondsüchtiger Taumel, laszive Erotik, rasende Obsessionen – schon die betörend schillernde Klarinettenfigur, mit der Strauss die Prinzessin aus Judäa einführt, lässt keinen Zweifel, dass sich etwas zusammenbraut. Im sehrenden Anfang schwingt das tödliche Ende bereits mit. All die Exzesse, Fantasien und Gefühlsexplosionen, die der 1905 in Dresden uraufgeführten...
«Musik habe ich gar keine gehört.» So soll ein biederer Schweizer einst Richard Strauss geantwortet haben, als der ihn nach einer Basler Aufführung der «Elektra» gefragt hatte, wie ihm die Oper gefallen habe. Der Eidgenosse fand das expressionistische Ausrasten «großartig». Aber war da überhaupt Musik?
Salvatore Sciarrino und Richard Strauss in einem Atemzug zu...
