Leben ohne Urlaubsschein
Frau Johannsen, kaum jemand gibt in jungen Jahren eine feste Stelle auf, weil das Repertoire nicht ideal ist. Sie haben es trotzdem riskiert. Warum?
Ich hörte von den verschiedensten Seiten immer wieder: «Du solltest mehr Barock singen!» Tatsächlich war es, wenn ich Händels «Messias» sang, immer so, als ob ich das den ganzen Tag tun könnte. Aber fest an einem Opernhaus hätte ich dieses Repertoire nicht realisieren können. Eine große Inspiration war Alessandro De Marchi, der mich für Händels «Teseo» an der Komischen Oper Berlin engagiert hatte.
Er meinte: «Barock ist wie Jazz, es darf nicht zu perfekt klingen.» Er ermunterte uns, mehr Rubato und mehr Verzierungen zu riskieren und nicht genau auf den Schlag, sondern ein wenig später oder früher einzusetzen. Diese Freiheiten gefielen mir sehr. Außerdem mag ich Barockorchester und ihre Musiker. Die erscheinen manchmal sogar barfuß bei den Proben ...
Was hat Sie 2002 nach Deutschland geführt?
Der Grund war ein Alberto Vilar-Stipendium für die Deutsche Oper Berlin. Ich hatte dafür in New York vorgesungen, bei Kevin McCutcheon, dem Solo-Repetitor der Deutschen Oper, der mich bis heute coacht. Er war extra aus Berlin angereist. Ein Jahr ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Interview, Seite 30
von Kai Luehrs-Kaiser
Als Pionier des musikalischen Exotismus war Félicien-César David (1810-1876) bis vor Kurzem nicht mehr als eine Fußnote der Musikgeschichte. Dank der Initiative des Palazzetto Bru Zane kann diese Einstufung nun möglicherweise revidiert werden. Seine monumentale Grand opéra «Herculanum» wurde unlängst von Radio France in Versailles aufgezeichnet, die märchenhafte...
Ein Gesamtkunstwerk? Ja, schon. Aber ohne den Willen zur Überwältigung. Ohne Erlösungszauber. Eher eine Mischung aus Musikzirkus, Orchesterparade, Singsprechtheater. Eine spielerische Show zwischen Bach, Brecht und Broadway, Dantes «Göttlicher Komödie» und Vergils «Aeneis». Ein Trip zwischen Kantate, Kirmes und Kino. Natürlich kennt Louis Andriessen auch seinen...
Die stärkste Szene spielt vorn an der Rampe. Eine schwarze Schwanenfrau trippelt da auf Spitze. Vor einem goldglänzenden Vorhang. Versucht verzweifelt abzuheben. Spreizt die Flügelarme, windet sich, kreiselt um die eigene Achse. Klack macht es, klack, klack, klack. Immer schneller, immer lauter. Der Atem wird schwer. Bis die Luft ausgeht. Bis der Schwan in sich...
