Lauter Ausrufezeichen
Übersichtliches Personal, bekannter Stoff, erprobtes Drama: Man könnte glatt meinen, Alban Bergs «Wozzeck» sei eine für Schauspielregisseure bestens geeignete Oper. Also auch für den Mainzer Intendanten Matthias Fontheim. Sollten ihm die starken Emotionen und schnellen Entwicklungen des Stücks nicht eher liegen als «Der Rosenkavalier», an dem er letztlich gescheitert war?
Fehlanzeige, leider. «Wozzeck» sieht gleich auf den ersten Blick so hip und schrill aus wie vieles, was derzeit im Mainzer Schauspiel zu sehen ist. Tragfähig ist das turbo-surreale Konzept nicht.
Es gibt kein Geheimnis um diesen Wozzeck, keine Entwicklungen. Von der ersten Sekunde an ist er ein Getriebener, viel äußerliche Gestik überpinselt die Abstufungen des Andersseins. Da will man gar nicht mehr erleben, wie Doktor, Hauptmann und Tambourmajor – Menschenschinder, sadistischer Vorgesetzter und Liebesrivale – Wozzeck erniedrigen. Alles ist ja vom ersten Moment an vorhersehbar, zu jeder Aktion gibt es darstellerische Ausrufezeichen.
Dass dieser Gehetzte seine Freundin töten wird, ist so klar wie alle anderen Figurenkonstellationen: ein Kabinett ausgestellter Grotesken und Überzeichnungen. Am Ende schwingt Wozzecks ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernhäuser sind – zumindest in Deutschland – vom Staat hoch subventionierte Wirtschaftsbetriebe. Natürlich fließt hier als Umwegrentabilität durch die Ausgaben der Beschäftigten, der Gastkünstler und vor allem der Besucher ein Vielfaches an die Geldgeber zurück. Doch selbst ein so erfolgreiches Haus wie die Bayerische Staatsoper schafft kaum mehr als 30 Prozent...
Es ist schwer, der Versuchung zu widerstehen, den Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny als aktuellen Abgesang auf den Turbokapitalismus zu inszenieren. Zu gut passen die geschilderte Dekadenz, der gnadenlose Materialismus, die Dominanz des Geldes und der drohende Zusammenbruch zu den Schlagzeilen dieser Tage. Regisseur Thilo Reinhardt geht im Theater Trier einen...
Immer wieder gewährt die Nationaloper Helsinki in dieser Spielzeit ihren Besuchern einen Blick auf die Seele Finnlands, so wie sie sich in Werken einheimischer Komponisten während der letzten 150 Jahre spiegelte. Hierzu gehört auch Leevi Madetojas erste Oper «Pohjalaisia» (Die Ostbottnier), die 1924 in Helsinki mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Das Opus empfand...
