Last Exit Bismarckstraße

Eine Klärung. Wenn es um das «Ärgernis des Jahres» ging, stand bei unserer Kritikerumfrage jahrelang Berlin obenan: für die Situation seiner drei Opernhäuser und was die daraus machen konnten (oder eben nicht). Jetzt hat sich die Lage deutlich verschoben: Die Komische Oper wurde (neben Bremen) zum «Opernhaus des Jahres» gewählt. Als «Ärgernis» kürten die befragten Kritiker die Deutsche Oper in der Bismarckstraße. Intendantin Kirsten Harms wird in den Begrün­dungen ebenso genannt wie ihr Chefregisseur Alexander von Pfeil und GMD Renato Palumbo. «Kunst kommt von Kiel», lautet ein Slogan, den man derzeit oft hört, wenn es um den Zustand des Hauses geht. In Kiel hat Kirsten Harms erfolgreich gearbeitet. Im Westteil Berlins aber gab zwei Jahrzehnte Götz Friedrich die Richtung vor, waren, lang ist’s her, Dirigenten wie Karl Böhm, Ferenc Fricsay und Lorin Maazel tonangebend. Ist der Glanz der Deutschen Oper endgültig dahin? Ein Plädoyer für das Traditionshaus auf den ­folgenden Seiten.

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Medienerfolg als Krisensyndrom. Selten brachte es ein Opernhaus so rasch zu Schlagzeilenruhm in internationalen Zeitungen wie die Deutsche Oper mit dem sogenannten «Idomeneo-Streit». Doch damit nicht genug. Kurz da­rauf lief der «Jägerchor» in der Premiere des «Freischütz» seinem (Chef-) Dirigenten Renato Palumbo gnadenlos davon. Das verwackelte Ergebnis kursierte als Audio-Datei im Internet.

Schließlich war das Medienecho zum Regie-Einstand von Kirs­ten Harms zu Beginn der Saison mit Alberto Franchettis «Germania» zwar riesig – nur leider zumeist negativ (zu dieser Aufführung siehe auch Seite 46).
Ergebnis: Die Gesamt-Performance der Deutschen Oper wird in diesem Jahrbuch als «Ärgerlichste Opernerfahrung des Jahres» verbucht. Ob die Kaskade der Peinlichkeiten eine Trendwende einläuten könnte, das fragt man sich besorgt – und zwar nach Jahren prekärer Schlingerei an der Berliner Bismarckstraße.
Keine Frage, dass hinter dem Problem auch eine Problemfigur steht: ­Intendantin Kirsten Harms. Sie kam beim Eklat um die Absetzung von Hans Neuenfels’ «Idomeneo» erstaunlich ungeschoren davon. Nur: Sie selbst hatte die Katastrophe herbeigeführt. Die Empfehlung eines Berliner Innensenators, ...

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Opernwelt Jahrbuch 2007
Rubrik: Ärgernis des Jahres, Seite 58
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
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