Krieg und Lieben
Vom ersten Augenblick an Apokalypse. Dunkle Gestalten in Camouflage-Hosen rennen über die Bühne, setzen sich die Heroin-Nadel. Hunde schnüffeln an Leichen, auf frischen Gräbern stecken schäbige Holzkreuze. Im Hintergrund dräut ein wolkenzerrissener schwarzer Himmel vor den Ruinen einer zerschossenen Stadt. Das könnte Sarajevo sein, aber auch Verona. Denn, man glaubt es kaum, eigentlich sind wir hier in Gounods Liebesdrama «Roméo und Juliette».
Der südfranzösische Regisseur Olivier Py, der 1998 ein Theaterstück über Srebrenica geschrieben hat, lässt die Oper mitten in einem Krisengebiet spielen, das stark an die Bilder vom jugoslawischen Bürgerkrieg erinnert. Statt verfeindeter Familien bekämpfen sich Volksgruppen. Das ist gerade in Amsterdam pikant, waren es doch niederländische Blauhelm-Soldaten, die beim Verbrechen von Srebrenica tatenlos zusahen. Die These des Regisseurs: «Romeo und Julia» ist kein Stück über die Liebe, sondern eines über den Krieg. Wenn ringsumher der Tod regiert, so scheint diese Liebe nur besonders ausgeprägt – so stark wie die lebhaften Farben beim Fest der Capulets im ersten Akt, die aus dem düsteren Bühnenbild von Pierre-André Weitz hervorstechen wie ...
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Leider hat René Jacobs 1996 mit seiner sensationellen Aufnahme von Antonio Caldaras Oratorium «Maddalena ai piedi di Cristo» keine Caldara-Renaissance losgetreten. Wenn Philippe Jaroussky jetzt mit einem Recital erneut an den großen Venezianer (1670/1-1736) erinnert, wird wieder einmal deutlich, dass der Legrenzi-Schüler mit seinen 90 Opern sicher zu den...
Dieses Stück bleibt ein Rätsel. Was passiert denn nun wirklich im einsamen Gutshaus Bly? Sprechen die Geschwister Flora und Miles mit Gespenstern, oder steigert sich ihre Gouvernante nur in Wahnvorstellungen hinein? Myfanwy Piper, die Librettistin von Benjamin Brittens «Turn of the Screw», hält es da mit Henry James, dem Autor der literarischen Vorlage: Der habe...
Ich gehöre zu denen, deren Theaterbild nicht zuletzt durch Ruth Berghaus geprägt wurde. Die ersten Erfahrungen reichen tief in die DDR-Zeit zurück: 1964 hatte die Dresdner Gret Palucca-Schülerin die Kampf-Choreografie für Brechts Bearbeitung von Shakespeares «Coriolan» am Berliner Ensemble übernommen; wenig später bot sich Gelegenheit, die Inszenierung im Theater...
