Kraft der Persönlichkeit
Es war ein leiser Abschied. Nicht einmal Verehrer wussten davon. Ende 2003 zog sich Julia Varady vom Podium zurück. Auf der Opernbühne war sie schon Jahre zuvor nicht mehr aufgetreten. Nach vierzig Jahren öffentlichen Singens wollte sie sich aufs Unterrichten konzentrieren. In Frankreich warfen ihr die Zeitungen Blumen hinterher, in Deutschlands Musikszene wurde kaum Aufhebens gemacht von diesem Verstummen, das den Verzicht auf eine völlig intakte Stimme bedeutete.
Dass Julia Varady keine ihrer Glanzpartien im Studio aufnehmen durfte, gehört zu den fatalen Fehlern der Platten-Labels in den siebziger und achtziger Jahren. Die Münchner Firma Orfeo versucht seit Jahren dieses Manko wettzumachen. So ist eine kleine, feine Varady-Reihe entstanden, die nun um eine Perle bereichert wird: Live-Aufnahmen aus der Wiener Staatsoper.
Nur neunzehn Vorstellungen von fünf Opern hat Julia Varady in Wien gesungen und das auch nur zwischen 1993 und 1996. Ihrem rumänischen Landsmann Ioan Holender ist es wohl letztlich zu danken, dass die Aufführungen überhaupt zustande kamen. Die CD setzt ein mit Sentas Ballade aus dem «Fliegenden Holländer» (die auch aus München in einem Live-Mitschnitt mit der ...
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m Schluss der neunzigminütigen Aufführung stolperte Hans Neuenfels wie ein großes Kind auf die Bühne des Basler Theaters: als wollte und könnte er die Begeisterung des Publikums nicht recht begreifen. Das Ritual, das sonst allerorten die Premieren beherrscht – Beifall für die Solisten und den Dirigenten, Buhs für das Regieteam – war an diesem Abend außer Kraft...
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte es die Oper schwer in Deutschland. Zwar wurden überall «Die Meistersinger» und «Fidelio» gespielt: Man suchte quasi mit lautem C-Dur nach Selbstvergewisserung. Doch wie konnten neue Stücke klingen? Die musikalische Sprache der Spätromantik war politisch missbraucht worden und obsolet; aber auch der Faden zu den Roaring...
In neuem Glanz erstrahlt die Anna-Amalia-Bibliothek, fast vergessen ist die horrible Brandnacht von vor drei Jahren. Anlässlich der Wiedereröffnung, deren Datum nicht zufällig mit dem Geburtstag der kunstsinnigen Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel zusammenfiel, machte die Klassik-Stiftung einige Extra-Euros locker, um in würdevollem Rahmen der Regentin und...
