Komödie mit schwarzem Rand
Man hält sie für eine Lügnerin, eine Hochstaplerin, ein hysterisches Weib – und sie ist schließlich so unglücklich! Ich wollte, alle hätten sie gern.» Mit diesen Worten hat Leos Janácek für seine Heldin, die alterslose Emilia Marty alias Elina Makropulos geworben. Die 337-jährige Sängerin durchmisst an ihrem letzten Lebenstag die ganze Spannweite eines Frauenlebens von der Unschuld der Kindheit über den Lebensekel der Diva bis zur Erlösung vom Fluch des endlosen Lebens.
Ihre wirkliche Identität enthüllt erst ihr Schlussmonolog, in dem sie den Tod als das Los des Menschen annimmt, obwohl sie erneut in den Besitz der «Sache» Makropulos, der unsterblich machenden chemischen Zauberformel gelangt ist. Hier weicht Janácek von seiner Textvorlage ab. Während Karel Capeks Konversationsstück in eine wortreiche Diskussion über Tod und Unsterblichkeit mündet, webt der Komponist am Schluss in seine Musik einen erlösenden Silberfaden schmerzlicher Spätromantik, der ihre bis dahin unerbittliche Härte bricht.
Richard Jones folgt in seiner genau gearbeiteten Frankfurter Inszenierung nicht Janácek, sondern Capeks Komödie. Auch bei ihm stirbt die todwunde Emilia Marty nicht. Als sie am Ende des mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Drei DVD-Produktionen von Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» sind jetzt fast gleichzeitig auf den Markt gekommen – ein Beweis dafür, welchen Stellenwert diese frühe Oper seit Harnoncourts und Ponnelles Zürcher Pioniertat im Repertoire der großen internationalen Opernhäuser mittlerweile einnimmt.
Bereits 1997 brachte David Alden seine Inszenierung bei den...
Eigentlich sollte sie schon im Auto nach Mailand sitzen. Am Opernstudio der Scala warteten bereits die nächsten Schützlinge. Junge Sängerinnen und Sänger, die sich nach dem Studium und ersten Schritten in die Berufspraxis von ihr den letzten Schliff für die Karriere erhoffen. Aber auf einen Sprung schaut Mirella Freni dann doch noch in ihrer eigenen Gesangsakademie...
«Der Türke in Italien» – der Titel führt ein wenig in die Irre. Denn die Fremdheit des Protagonisten ist reine Behauptung und findet nicht einmal musikalischen Niederschlag. Dieser Selim ist eigentlich ein unbeschriebenes Blatt: die ideale Projektionsfläche für Wünsche und Fantasien. Regisseur David Hermann zieht daraus einen naheliegenden und doch verblüffenden...
